Das hier ist vielleicht die Mutter aller Bowls: Unser veganes Bibimbap ist fast zu schön, um es zu mischen – sollte man aber, weil dann eben doch alles perfekt zusammenpasst.
Verschiedenste, bunte Zutaten – teilweise gekocht, teilweise roh –, eine oder mehrere Saucen, das Ganze schick auf Reis angerichtet? Klingt nach etwas, um das sich Hipster vor ein paar Jahren in der Schlange des neuen veganen „Delis“ (eigentlich ist’s halt einfach ein Café) regelrecht geprügelt hätten … was aber auch heute noch auf der Mittagskarte des hippen, etwas gesünder wirkenden Restaurants stehen könnte, das erst kürzlich in Trendbezirk X der Großstadt Y aufgemacht hat.
Die Rede ist aber eigentlich von Bibimbap, dem neben Kimchi vermutlich bekanntesten essbaren koreanischen Export. Und vielleicht könnte man das Gericht sogar als einen der ältesten nachvollziehbaren Prototypen des zwar nachlassenden, sich aber immer noch fest am mittelunteren Zipfel der Relevanz festkrallenden Bowl-Trends bezeichnen. Denn die Koreaner machen das mit diesen Reis-Bowls eben schon ziemlich lange. Je nach Theorie kann man die Ursprünge des heutigen Bibimbap sogar bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen, Aufzeichnungen gibt es aber ganz sicher ab dem 18. Jahrhundert. Entgegen der naheliegenden Annahme, Bibimbap sei bloß eine clevere Art, Reste aufzubrauchen, stand es wohl auch in der königlichen Küche auf dem Tisch. Die Idee mit dem „alles rein, was da ist“ war also nicht nur was fürs Volk. Und auch heute noch ist es fester Bestandteil der koreanischen Alltagsküche – königlich stolz ist man immer noch drauf!

Was ist Bibimbap eigentlich?
Das Bibim im Namen steht für „mischen“, bap für Reis. Vereint heißt das Nationalgericht also ganz einfach „gemischter Reis“. Und so wird es eigentlich auch gehandhabt. Kurz genießt man die schön angerichteten Zutaten mit den Augen, dann wird rücksichtslos gemischt – übrigens mit dem Löffel, nicht etwa mit Stäbchen. Strenge Rezepte gibt es nicht, dafür regionale Varianten und individuelle Vorlieben. Für ein veganes Bibimbap stehen also alle Türen offen.
Was alle Bibimbaps dann doch gemeinsam haben, ist die Zahl fünf. Ein Bibimbap sollte fünf Geschmacksrichtungen abdecken: salzig, süß, scharf, sauer und bitter. Außerdem fünf Farben (rot, grün, gelb, weiß und schwarz), fünf Elemente (Feuer, Holz, Erde, Metall und Wasser) und fünf Himmelsrichtungen (Norden, Osten, Süden, Westen und die Mitte). Diese Prinzipien, die zusammenhängen und im Endeffekt auch immer Auslegungssache sind, sollen für Balance sorgen. Auf dem Teller … und im Körper, nachdem man sich satt und zufrieden den Bauch reibt. Pilze werden beispielsweise der Farbe Schwarz und dem Norden zugeordnet und sollen gut für die Nieren sein. Rot steht für den Süden und das Herz, Grün für den Osten und die Leber, Weiß für den Westen und die Lungen und Gelb steht für das Zentrum und den Magen. Klingt zugegebenermaßen ein bisschen esoterisch, aber dass viel Gemüse und „viel bunt“ auf dem Teller auch „viel gut“ ist, dürfte nachvollziehbar sein, oder?

So wird ein veganes Bibimbap zubereitet … und gegessen
Fünf Farben bedeuten mindestens fünf einzelne Komponenten. Die Betonung liegt auf mindestens. In der UNESCO Creative City of Gastronomy Jeonju werden zum jährlichen Bibimbap-Festival auch mal ganze 30 unterschiedliche Zutaten auf den Reis gepackt. Das schreckt in Zeiten, in denen irgendwie nur noch 5-Zutaten-Rezepte anzukommen scheinen, ziemlich ab. Aber erstens sind die 30 Zutaten latent übertrieben und zweitens kann man die Bibimbap-Zubereitung mit ein paar Tricks so weit vereinfachen, dass die bunte, gesunde Bowl auch im stressigen Alltag noch machbar ist.
Tipp 1: Bibimbap wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird
Ein Muss ist eigentlich nur heißer Reis. Tatsächlich ist es sogar sehr typisch, dass einige Toppings warm oder bei Zimmertemperatur auf die Schüssel kommen. Das macht auch den Weg fürs Meal Prepping frei, der marinierte Spinat oder die gewürzten Mungobohnensprossen (die man übrigens ganz einfach im upgecycelten TetraPak selbst züchten kann) halten sich auch super für ein paar Tage im Kühlschrank.


Genauso, wie die süß-sauer-scharfe, typische Sauce aus Gochujang, der koreanischen Chilipaste, Sesamöl und Reisessig, die du wunderbar auf Vorrat zubereiten und abgefüllt wochenlang im Kühlschrank aufbewahren kannst.
Frische Toppings wie Gurke, Radieschen oder Rotkraut muss man erst gar nicht würzen, dafür ist die Sauce zuständig und veganes Kimchi steht doch hoffentlich ohnehin im Kühlschrank. Oder?

Tipp 2: Die Pfanne macht einen Etappenlauf
Gebratene oder sautierte Komponenten kommen einfach nacheinander auf den Herd. Die Pfanne wird dazwischen, wenn überhaupt, nur kurz ausgewischt. So macht man’s auch in Korea.
In unserem Rezept braten wir zuerst die Pilze, nehmen sie aus der Pfanne, danach sind nacheinander die Karotte und der Seitan dran. In einer großen Pfanne gehen auch zwei oder drei Komponenten gleichzeitig.
Tipp 3: Die Prinzipien sind auch nur Guidelines
Auch unser Rezept ist im Grunde nur eine Idee, nur ein Konzept. Wenn mal Gelb fehlt – who cares? Keine Lust auf Seitan? Nimm Tofu!
Wir haben für dieses Rezept koreanischen Mehrkornreis, Japgokbap, aus braunem Rundkornreis, Gerste und schwarzem, „verbotenem“ Reis gemacht. Nur Rundkornreis, ob weiß oder Vollkorn, reicht aber auch. Ein Reiskocher macht’s übrigens extra-einfach. Reis und Wasser rein, Knöpfchen drücken und vergessen, bis er piept.

Was ich damit sagen will, ist, dass du nicht jedes Mal alle einzelnen Komponenten zubereiten musst oder auch selbst experimentieren, weglassen und hinzufügen kannst – je nach Lust und Laune, Geschmack und Hunger.
Apropos Hunger: Was ist das Lieblingsessen von Robotern? Bi – Bim – Baap. Okay, der funktioniert ehrlicherweise besser so direkt über den Tisch rüber erzählt.


Veganes Bibimbap – die Ur-Reisbowl aus Korea
Für den Reis
- 100 g Rundkorn Naturreis
- 1 EL schwarzer Reis
- 2 EL Gerstengraupen
Gemüse & Toppings
- 1 Karotte
- ½ Salatgurke
- 2 Radieschen
- 60 g Rotkohl
- 100 g Spinat
- 50 g Mungobohnensprossen
- 75 g frische Shiitake-Pilze oder Champignons
- 75 g Seitan Basic oder Chicken Style nach unserem Rezept
- 100 g Kimchi zum Beispiel nach unserem Rezept
Für die Sauce
- 2 EL Gochujang (koreanische Chilipaste) koreanische Chilipaste
- 1 EL Sesamöl
- 1 EL Wasser
- 1 EL gerösteteter Sesam
- 2 TL Reisessig oder Apfelessig
Für den Reis
- Reis und Getreide mischen und in der 1,5-fachen Menge Wasser aufkochen. 2 Minuten sprudelnd kochen, dann auf niedrigste Hitze schalten und ca. 40 Minuten quellen lassen. Alternativ im Reiskocher garen.100 g Rundkorn Naturreis, 1 EL schwarzer Reis, 2 EL Gerstengraupen
Gemüse vorbereiten
- Karotte und Gurke in feine Stifte schneiden, Radieschen in Scheiben hobeln, Rotkraut fein schneiden.1 Karotte, ½ Salatgurke, 2 Radieschen, 60 g Rotkohl
- Spinat und Mungobohnensprossen getrennt voneinander mit kochendem Wasser überbrühen. 2-3 Minuten stehen lassen, dann abgießen, gut ausdrücken und jeweils mit 1 TL Sesamöl, 1 TL Sojasauce und etwas Sesam verrühren. Optional: Karotte kurz bissfest dämpfen.100 g Spinat, 50 g Mungobohnensprossen, Sesamöl, Sojasauce
Sauce verrühren
- Alle Zutaten für die Gochujang-Sauce glatt verrühren.2 EL Gochujang (koreanische Chilipaste), 1 EL Sesamöl, 1 EL Wasser, 1 EL gerösteteter Sesam, 2 TL Reisessig
In der Pfanne
- Pilze in Scheiben schneiden. In 1 EL Erdnussöl 8-10 Minuten bei mittlerer Hitze braten, leicht salzen und aus der Pfanne nehmen.75 g frische Shiitake-Pilze, Erdnussöl, Salz
- Erneut 1 EL Erdnussöl in die Pfanne geben und den ebenfalls in Scheiben geschnittenen Seitan 3-4 Minuten scharf anbraten. Mit 1 EL Sojasauce ablöschen und beiseite stellen.75 g Seitan, Erdnussöl, Salz
Anrichten
- Reis auf Schüsseln verteilen, Gemüse, Seitan, Pilze und Kimchi schick darauf anrichten, mit etwas mehr Sesam bestreuen und die Sauce separat servieren. Vor dem Essen alles gut miteinander vermengen – genau so gehört sich das.100 g Kimchi
Kochutensilien

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18 Kommentare
Hallo ihr Lieben,
kann man Sojabohnensprossen 1:1 durch Mungbohnensprossen ersetzen?
Liebe Grüße
Leander
Das war tatsächlich ein Fauxpas, wir meinten bereits Mungbohnensprossen. Danke für den Hinweis. 🙂
Hallo,
Ich habe leider einen absoluten Nicht-Scharf-Könner zuhause. Gibt es eine Alternative zu der Paste? Oder was könnte da sonst für ein Dressing drüber?
Liebe Grüße, Kerstin
Hi Kerstin,
Gochujang ist halt schon eine große geschmackliche Komponente eines Bibimbaps. Ich würde dir raten, mit der Paste einfach etwas vorsichtiger zu dosieren, die „Memme“ mit zum Abschmecken dazuzuholen oder dir dann einfach direkt ein anderes Rezept rauszusuchen. 🙂
Liebe Grüße
Jörg
Ich habe vor kurzem bei der Zubereitung von Tteokbokki (dank VeganMom) entdeckt, dass Gochujang sehr gut mit Tahini harmoniert und die Sesampaste die Schärfe (bei kleiner Dosierung) nimmt und der Geschmack trotzdem rauskommt.
Ist dann zwar nicht das Original, aber für Nicht-Scharf-Könner eine Option, zumindest annähernd daran teilzuhaben 😉
Zusätzlich empfehle ich das Gericht ganz kalt zu essen, weil ich auch da festgestellt habe, dass es dann viel weniger scharf schmeckt, als wenn es heiß ist
Mmmh. So gut. Bei uns gabs Fenchel, Pak Choi, Spinat, Pilze, Sojasprossen und jede Menge Kimchi zum Reis. Alleine die Soße ist immer wieder so gut. Mein Besuch war auch begeistert. Ich bin ganz begeistert von eurer Seite, ich hab bisher erst 3 Rezepte ausprobiert, aber alles durchweg supergut. Danke!!
Hallo liebe Juliane,
das freut uns wirklich sehr 😊
Liebe Grüße
Jörg
Habe die Bowl heute gemacht, super lecker, wie alle eure Bowls. Habe statt eurer Gochujang Sauce, Sambal Olek benutzt, angenehme schärfe, toll bei den feucht-kalten Wetter. Super, macht weiter so.
Lecker!!! Habe ganz freflerisch anstatt der reismischung Quinoa genommen udn anstatt Seitan (vertrag ich nicht) Tofu – schmeckt spitze!
Vielen lieben Dank Anna, das freut uns so ?
Hey ihr zwei,
Ich finde eure Rezepte ganz super, besonders eure Bowls regen dabei meine Kreativität so richtig an! Heute hab ich euren Bibimbap-Reis genossen: ein Traum! Ich kann vollkommen verstehen, dass ihr diesen auch gern mal pur esst, er ist einfach so aromatisch! Bisher habe ich den schwarzen forbidden Rice zu weißem Risottoreis gegeben, das Risotto ist so richtig dunkel geworden und behielt trotzdem seine Konsistenz, diese beiden Zubereitungsarten werden bei mir in Konkurrenz stehen 😉
In Zukunft werde ich definitiv größere Portionen Bibimbap kochen, um mal etwas für den kleinen Hunger am Abend zum Aufwärmen bereit zu haben.
Vielen Dank für all eure leckeren Ideen, immer weiter so! Liebe Grüße, Claudi
Sehr gerne, freut uns sehr ?
Dein Bimibap werd ich gleich ausprobieren, habe heute morgen alle Zutaten besorgt und morgen wird gekocht. grüße
Alice
Hej Alice,
juhuu, das freut mich! Viel Spaß beim Köcheln, hoffe es schmeckt euch ?
Lieber Gruß
Nadine
Ich habe noch nie was von Bibimbap gehört und bin jetzt ganz neugierig wie es schmeckt. Ich werde es bei Gelegenheit mal nachkochen. „Bibimbap“ hört sich irgendwie lustig an.
Sehr ansprechende Fotos!
Liebe Grüße Thomas
Hi Thomas,
dann musst du es wirklich unbedingt ausprobieren! Viel Spaß ?
Liebe Grüße
Nadine
Bibimpab mein absolutes koreanisches Lieblingsgericht. In München habe ich zig Mal den Koreaner „Restaurant Seoul“ dafür aufgesucht. In Korea habe ich allerdings nie die Variante mit dunklem/eingefärbten Reis gesehen, sondern immer mit weißem Reis. Aber so ist es bestimmt auch lecker.
In Korea ist man das mit dem Löffel!
Wir haben den bunten „Japgokbap“-Reis einfach mal als schöne Reis-Variante mit eingebaut – kann natürlich sein, dass man den so in den Restaurants nicht zu Bibimbap bekommt. Aber hey … künstlerlische Freiheit, was? ?
Die Stäbchen haben wir aus Mangel an schönen, passenden koreanischen Löffeln auf die Fotos gepackt. Asche auf unsere Häupter ?
Und Danke für den Restaurant-Tipp ??