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MSG auf alles! Warum die Vorurteile gegenüber Glutamat (fast) völlig unbegründet sind.

Ist Glutamat ungesund?

Umami. Kaum ein anderes Wort gebrauchen wir so inflationär auf dem Blog wie Umami. Wir stehen eben auch unheimlich auf den „fünften Geschmack“. Auf das Herzhafte, das Vollmundige. Auf das Würzige, die aus dem Japanischen direkt übersetzte „Schmackhaftigkeit“, schlicht und ergreifend auf … Glutamat.

Schockschwerenot! Ist Glutamat denn nicht der Teufel? Nein, und bitte lies diesen Text bis zum Ende, bevor du mit Vollgas zum Kommentarfeld scrollst, um deiner Empörung mit lautstarkem Tastatur-Klackern schnaubend Luft zu machen. Wie kann dieser Typ es wagen, den tausendfach wiederholten Sermon gegen Glutamat in Frage zu stellen? Hey, verständlich, man hat eben gerne Angst, wenn es um Essen geht, und auch meine Meinung zu Mononatriumglutamat änderte sich.

Wenn über Jahre hinweg – und vor allem tragischerweise nach wie vor – „Gesundheitsexperten“, Verbraucherzentralen (vermutlich einfach mal aus dem Prinzip „Nummer sicher“, aber dazu kommen wir noch), das Fernsehen, sämtliche Illustrierte, aber auch ernstzunehmendere Nachrichtenhäuser und dann eben auch eine Masse an mehr oder weniger pseudowissenschaftlichen Webseiten das Zeug regelrecht verteufeln und vor massivsten Gesundheitsrisiken warnen, muss das ja stimmen.

Aber ist Glutamat wirklich so schlimm, wie dort propagiert? Nein, ist es nicht und mit der Meinung stehe ich nicht alleine da. Auch Fachgesellschaften geben mir recht, darunter beispielsweise die Verbraucherinitiative e. V. und glücklicherweise auch mehr und mehr die allgemeinen Medien.

Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe. Aber lass uns erst mal anschauen, wovon wir hier eigentlich reden.

Shiitake

Was ist Glutamat?

Während vereinfacht im Alltag nur das Wort Glutamat verwendet wird (und ich das im weiteren Verlauf dieses Textes und unter Ergänzung der englischen Abkürzung MSG für Monosodiumglutamate auch tun werde), sprechen wir eigentlich von Salzen und dem Anion der Glutaminsäure, die unser Körper als Aminosäure selbst herstellt beziehungsweise das auch muss. Das Gehirn und dein zentrales Nervensystem benötigen den Neurotransmitter für die korrekte Funktion, du hast also bereits „Glutamat“ in dir [5]. Also … hoffe ich zumindest für dich.

Die Glutaminsäure ist aber auch wichtiger Bestandteil der Proteine anderer Lebewesen und Organismen und so kommt Glutamat auch ganz natürlich in Fleisch und Milchprodukten, aber eben auch in Nüssen, Pilzen, Mehl, Hefen, Gemüse, Früchten, Algen und fermentierten und anders natürlich konservierten Lebensmitteln vor, um ein paar Beispiele zu nennen. Du nimmst es also bereits täglich zu dir, egal, ob du jetzt Mischköstler, Vegetarier oder Veganer bist. Und ja, auch in Muttermilch ist Glutamat (gar nicht mal so wenig, by the way). Schau jetzt nicht so irritiert, ich habe Milchprodukte schon aufgezählt. Sorry, falls du das jetzt erschreckend findest, aber wäre Glutamat wirklich so dermaßen ungesund, dann wäre das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit schon aufgefallen.

Ach, du sprichst vom „chemisch“ hergestellten Glutamat? Jetzt mal abgesehen davon, dass wir alle „Chemie“ sind, wurde das weiße Pulver, das du seit Jahren so penetrant meidest, ursprünglich aus Algen extrahiert und heutzutage im Regelfall durch Fermentation – zugegeben, in einem industriellen, zu Hause nicht reproduzierbaren Maßstab – aus stärkehaltigen Pflanzen hergestellt. Durch industrielle Fermentation werden auch andere wichtige Medikamente, wie beispielsweise Insulin hergestellt und ja, auch in Sauerkraut wird Glutamat gebildet (wenn auch überschaubare Mengen), und davor hast du keine Angst, oder?

Woher kommt dann der wirklich besch…eidene Ruf?

Erstmals wurde Glutamat vom deutschen Agrikulturchemiker Heinrich Ritthausen aus dem Klebereiweiß von Getreide isoliert – und ja, Gluten hat sich auch den Namen vom Umami-Stoff geborgt. 1907 tat es ihm der japanische Kollege Ikeda Kikunae, der auch einige Zeit in Deutschland studierte, in Tokio quasi gleich, nahm dafür aber eine andere Quelle her. Er extrahierte das gute Zeug aus Kombualgen, stabilisierte es unter Zugabe von Salz, entwickelte ein Verfahren zur Synthese und zur industriellen Herstellung, latschte beim Patentamt vorbei, sagte freundlich Hallo, bekam einen Stempel (zumindest stelle ich es mir so vor) und war damit zusammen mit seinem Geschäftspartner Saburosuke Suzuki II ein reicher Mann, denn unter dem Namen Aji-No-Moto, was übersetzt „Essenz des Geschmacks“ bedeutet, wird Glutamat seither und damit seit über 100 Jahren im großen Stil vertrieben. Allerdings natürlich vorerst in Japan und China und natürlich dem Rest von Ost- und Südostasien.

Bis zum Zweiten Weltkrieg, in dessen Verlauf die in Japan stationierten Amerikaner sich irgendwie dachten „Huch, schmeckt ja alles ganz geil hier“ und den im englischen Monosodiumglutamate oder abgekürzt MSG benannten Stoff der Ajinomoto Corporation (das ist kein bezahlter Beitrag, aber falls jemand vom Unternehmen mitliest, meldet euch, just sayin’) mit in die USA nahmen und damit die aufstrebende Convenience-Industrie auf den Kopf stellten.

Gedreht hat sich die allgemeine Akzeptanz 1968, als ein gewisser Dr. Robert Ho Man Kwok einen Leserbrief an eine medizinische Fachzeitschrift schickte, in der er davon schrieb, dass ihm immer so eine knappe Viertelstunde nach dem Besuch seines Lieblings-Chinesen so ein büschn komisch fühlen würde und es entweder an der Sojasauce, am Wein, am hohen Salzgehalt der Speisen (niemand hat übrigens nachgefragt, ob er nachgewürzt hat) oder am Glutamat liegen könnte, auf das er sich dann mit sich selbst geeinigt hat.

Was folgte, waren weitere Leserbriefe anderer Mediziner, die von ähnlichen Symptomen berichteten oder das Ganze als Humbug abtaten und dann einige mehr als dubiosen Untersuchungen, die teils bereits relativ kurz nach Veröffentlichung mit Skepsis bedacht oder gar widerlegt wurden.

2018 versuchte ein Dr. Howard Steel, ein damals bereits über 90 Jahre alter Chirurg, die „Schuld“ für den Glutamat-Skandal auf sich zu nehmen, was sich allerdings als vermutlicher Hoax herausstellte. Ob nun der echte Dr. Ho Man Kwok den Brief schrieb, der alles zum Rollen brachte oder Dr. Howard Steel kann nicht mehr mit absoluter Sicherheit nachvollzogen werden, beide sind mittlerweile tot. Die Geschichte dazu lässt sich aber im absolut hörenswerten Podcast „This American Life“ (Folge 668, „The Long Fuse“) nachhören.

Getrocknete Pilze

OMG, MSG!

Wer auch immer nun der Autor des Leserbriefs war, er gab den Startschuss für das „China-Restaurant-Syndrom“, die perfekte Ausrede dafür, dass es nicht das dritte Bier, nicht die Meeresfrüchte, die vielleicht nicht vertragen werden, nicht etwa die nie diagnostizierte Nussallergie oder schlicht und ergreifend das drölfzigste Frühlingsröllchen vom All-You-Can-Eat-Buffet sein könnten, die man sich bei schon stark gespanntem Hemd- oder Blusenknopf genehmigt hat, weshalb man leicht blümerant aus dem Restaurant torkelt.

Oder eben auch die perfekte Ausrede für eine mehr oder weniger verkappte Xenophobie. „Diese chinesischen Einwanderer essen ja auch echt eigenartiges Zeug. Sogar Hunde! Was ist da los in diesen Küchen?“

„You know what causes Chinese Restaurant Syndrome? Racism.“ – Anthony Bourdain, Parts Unknown Season 8 Episode 3

MSG wurde im Kontext der asiatischen Einwandererkulturen plötzlich skeptisch beäugt – und diese Entwicklung schwappte mit zeitlichem Abstand auch nach Europa herüber –, während sich scheinbar niemand so recht gefragt hat, warum beispielsweise in Japan und China nicht alle Einwohner mit konstanten Kopfschmerzen herumlaufen und auch die Verwendung in den „kultureigenen“, westlichen Produkten wurde kaum in Frage gestellt. An praktische und sogar leckere Fertiggerichte, die ja ach so viel Zeit sparen und köstliche Kartoffelchips hat man sich eben schneller gewöhnt, als an die hier und da immer noch fremdartig wirkenden Dim-Sum-Häuser und es hat auch niemand daran gedacht, dass die „asiatischen“ Restaurants ohnehin bereits sehr zuckerreiche, frittierte, schlichtweg amerikanisierte Gerichte anboten. Auch das schwappte zu „uns“ herüber, möchte ich betonen.

Diese kulturellen Vorurteile – und damit auch der Name „China-Restaurant-Syndrom“ – sind unter anderem durch das Erstarken des Selbstbewusstseins, aber auch des Ansehens Einwanderer mit asiatischen Wurzeln beziehungsweise deren Nachkommen wie beispielsweise David Chang über die Jahrzehnte nach dem Aufkommen des latent rassistischen Syndroms nach und nach in den zumindest öffentlichen Hintergrund gerückt, auch wenn sich nach wie vor vor allem chinesische, thailändische, vietnamesische, japanische, koreanische Restaurants genötigt fühlen, große Schilder an die Eingangstüren zu packen, die versichern, dass hier garantiert nicht mit Glutamat gekocht wird. Quasi als vertrauenserweckendes Qualitätszeichen, das aussagt „Keine Sorge, wir kochen hier, wie ihr“.

Geblieben sind die gesundheitlichen Bedenken, mit denen das ganze Schlamassel ja eigentlich auch angefangen hat.

Veganer gebratener Reis mit Tofu-Ei

Was jetzt? Ist Glutamat ungesund, oder nicht?

Buzzwords oder eher Buzzclaims, die zuerst durch die Presse und das Fernsehen und dann natürlich auch durchs Internet flogen, behaupten relativ glaubhaft, dass Glutamat schädlich ist.

Da wird davon berichtet, dass das Glutamat die Blut-Hirn-Schranke vom Blutkreislauf ins Gehirn überwinden könnte. Diese Behauptung basiert großteils nach wie vor auf Tierversuchen aus den späten 60ern, in denen Ratten und Mäusen absurd hohe Mengen über das Futter verabreicht oder gar injiziert wurden. Bei gesunden Menschen und unter normalen Umständen besteht dieses Risiko nicht [2], [6]. Alleine schon, da du erstens diese Mengen an Glutamat gar nicht erst herunterbekommen würdest und von an Glutamat-Nadeln hängenden Junkies habe ich auch noch nichts gehört. Störungen des endogenen, also des körpereigenen Glutamat-Stoffwechsels können mit chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden, allerdings spielt das exogene, also mit der Nahrung aufgenommene Glutamat dabei keine Rolle.

In kontrollierten (Doppel-Blind-)Studien konnte bisher kein kausaler Zusammenhang zwischen Mononatriumglutamat und den typisch berichteten Symptomen hergestellt werden [3], [4]. Ja, selbst bei Menschen, die von sich selbst behaupten, sensibel auf Glutamat zu reagieren, konnte keine Korrelation [1] zwischen der Glutamataufnahme in „normalen Mengen“ – ob nun über natürlich glutamatreiche Lebensmittel wie eben beispielsweise auch Parmesan oder über reines Glutamat – und beschriebenen Nebenwirkungen hergestellt werden. Tatsächlich wurden in einigen Studien die Beobachtungen von Symptomen sogar auf mögliche anderweitige Lebensmittelunverträglichkeiten zurückgeführt.

Ja, es kann sein, dass manche Menschen sensibler auf Glutamat reagieren, allerdings ist die Datenlage wirklich dünn, da die Wissenschaft über die Jahrzehnte schlicht ein wenig das Interesse an MSG verloren hat. Ist eben doch nicht so interessant, wie mal angenommen. Und auch wenn, wäre eine solche Reaktion eher als Pseudoallergie zu werten (da eine Reaktion nicht vom Immunsystem ausgelöst wird) und von einer individuellen „Allergie“ auf die Verträglichkeit für alle Menschen zu schließen, halte ich schon für recht heikel.

Ist also alles tutti mit Glutamat, ja?

Nein, das ist es auch nicht. Das Gourmet-Pulver hat auch eine Schattenseite und damit kommen wir auch wieder zum Verbraucherschutz.

Fakt ist: Es wird viel zu viel Glutamat eingesetzt. Da, ich hab’s gesagt.

Ich spreche jedoch nicht von Restaurantküchen, von Privatküchen schon gar nicht und ich spreche auch nicht zwangsläufig von gesundheitlichen Schäden, aber von zumindest einer Art von Verbrauchertäuschung. Ich spreche von der Lebensmittelindustrie, dem größten Abnehmer vom neuen „weißen Gold“.

Schau, in Verbindung mit Salz und anderen würzenden Zutaten kann Glutamat auch aus billigstem, ungesündesten Convenience- und Junk-Food etwas machen, was einfach wenigstens mittelmäßig bis verdammt gut schmeckt. Das führt dazu, dass beispielsweise die Gabe, eine Tüte Kartoffelchips nicht in einem Rutsch leer zu futtern – notfalls auch ganz alleine – eine sehr seltene ist.

Mononatriumglutamat trägt also möglicherweise indirekt zu einer ungesunden Ernährung, der „Gewöhnung“ an ungesunde Zutaten, einer Desensibilisierung, Gewichtszunahmen und Folgeschäden bei. Dazu, die Selbstkontrolle unter Umständen zumindest bis zu einem gewissen Grad zu verlieren.

Allerdings darf Fett, Zucker und schlussendlich Salz als weitere Eckpfeiler des Convenience-Food-Fundaments dabei nicht außen vor gelassen werden. Einer einzigen Zutat und schlussendlich dem Verbraucher selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist viel zu einfach.

Und klar, die gebratenen Nudeln vom Asia-Imbiss kann man jetzt auch nicht gerade als vollwertig bezeichnen (was allerdings wiederum nicht am Glutamat liegt), die Prise MSG in deinem guten Tofu Kung Pao deines Lieblings-Chinesen, aber auch auf dem Tomatenbrot, auf Ofenpommes oder in einer Vinaigrette in der heimischen Küche (beziehungsweise gerade da) schadet keinen Millimeter.

Wer kochen kann, braucht kein Glutamat!

Klar, das Wort „Geschmacksverstärker“ klingt ein wenig nach Schummelei. Nach Cheaten, nach Doping. Nach etwas, was am eigenen Ruf als Köchin oder Koch, professionell oder am heimischen Schneidbrett ganz schön kratzen könnte.

Wir haben aber bereits gelernt, dass es bei Mononatriumglutamat eigentlich um Umami geht. Nicht um einen Verstärker, sondern eine neue Geschmackskomponente, die auch auf der Zunge eine eigene Rezeptoren-Zone hat – diese liegt übrigens direkt in der Mitte, hat also sogar den Ehrenplatz.

Okay, Glutamat könnte in Verbindung mit anderen würzenden Zutaten vermutlich auch aus Styropor einen schmackhaften Fernsehsnack machen, in der Küche unterstützt es allerdings nur noch. Ja, fade Gerichte werden essbar, wenn etwas ohnehin schon gut schmeckt, setzt die Prise MSG aber nur noch ein winziges i-Tüpfelchen obendrauf und ging es richtig in die Hose, rettet auch das Gourmet-Pulver nichts mehr.

Mach’ den Selbstversuch. In einer richtig guten, wenn auch einfachen Tomatensauce wirst du dir selbst schwertun, hinzugefügtes Mononatriumglutamat herauszuschmecken – was auch kaum ein Wunder ist, stecken die Tomaten ja bereits voller Glutamat. Es fügt noch etwas „Glitter“ hinzu, als Game Changer würde aber auch ich es nicht bezeichnen.

Und ganz ehrlich, wenn du mit Sojasauce oder Tomatenmark kochst, wenn du dein Pad Thai gerne mit Erdnüssen toppst, wenn du – als Omnivorer oder in vorveganen Zeiten – Wagenladungen an Parmesan oder jetzt eben Hefeflocken auf deine Pasta packst und gerne Walnüsse knabberst … das tust du immer hauptsächlich aufgrund des natürlich enthaltenen Glutamats.

Also nein, wir verwenden das Pulver nicht insgeheim seit Jahren inflationär in allem, was wir essen. Wäre mittlerweile vielleicht auch aufgefallen. Wir verwenden es … intelligent. Um leckeres Essen noch leckerer zu machen, um Geschmackskomponenten an vegane Gerichte zu bekommen, die klassisch über Fleisch- oder Milchprodukte erzeugt werden würden. Beispielsweise in unserem veganen Hackfleisch und unter uns: Du findest unsere vegane Bratensauce jetzt schon geil? Dann gib ihr mal noch eine kleine Prise Glutamat mit. Natürlich verwenden wir es auch in Rezepten, die aus dem ost- und südostasiatischen Raum kommen. Weil Glutamat eben ein Bestandteil der jeweiligen Küchen ist. Vor allem jedoch verwenden wir es sparsam, denn auch beim Thema MSG gilt: Moderation ist alles!

Tatsächlich können salzempfindliche Menschen durch den Ersatz eines Teils vom streubaren Natriumchlorid durch Glutamat ihre Salzaufnahme sogar drastisch reduzieren, ohne geschmackliche Einbußen in Kauf nehmen zu müssen.

Deine Meinung

Was sagst du jetzt? Packst du dir beim nächsten Besuch deines Stamm-Asialadens eine Packung Aji-No-Moto in den Einkaufskorb oder bist du immer noch skeptisch und hast noch Fragen? Dann schreibe mir gerne einen Kommentar.

Quellen

  1. Geha, R. S., Beiser, A., Ren, C., Patterson, R., Greenberger, P. A., Grammer, L. C., Ditto, A. M., & Corren, J. (2000). Multicenter, double-blind, placebo-controlled, multiple-challenge evaluation of complaints attributed to monosodium glutamate (MSG). Journal of Allergy and Clinical Immunology, 106(5), 973–980. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11080723/
  2. Beyreuther, K., Biesalski, H. K., Fernstrom, J. D., Grimm, P., Hammes, W. P., Heinemann, U., Kempski, O., Steinhart, H., & Walker, R. (2007). Consensus meeting: monosodium glutamate – an update. European Journal of Clinical Nutrition, 61(3), 304–313. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16957679/
  3. Zanfirescu, A., Ungurianu, A., Tsatsakis, A. M., Nițulescu, G. M., Kouretas, D., Veskoukis, A., & Margină, D. (2019). A review of the alleged health hazards of monosodium glutamate. Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety, 18(4), 1111–1134. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6952072/
  4. Obayashi, Y., & Nagamura, Y. (2016). Does monosodium glutamate really cause headache? A systematic review of human studies. The Journal of Headache and Pain, 17(1), 54. https://thejournalofheadacheandpain.biomedcentral.com/articles/10.1186/s10194-016-0639-4
  5. Fernstrom, J. D. (2000). Can nutrient supplements modify brain function? The American Journal of Clinical Nutrition, 71(6), 1669S–1675S. https://doi.org/10.1093/ajcn/71.6.1669S
  6. Hawkins, R. A. (2009). The blood-brain barrier and glutamate. The American Journal of Clinical Nutrition, 90(3), 867S–874S. https://doi.org/10.3945/ajcn.2009.27462G

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Die nerdige Hälfte von Eat this! Liebt es, auch aufwändiger zu kochen und ist deshalb vermutlich für die langen Rezepte auf dem Blog verantwortlich. Kann nie genügend Kochmesser haben und liebt Chilis in allen Formen und Farben. In der Freizeit sitzt er gerne auf dem Fahrrad und hört dabei Metal.


131 Kommentare

Gib deinen Senf dazu

  1. Hallo, ihr Lieben. Ich hatte einen ähnlichen Beitrag schon mal irgendwo gelesen, daher war es kein Neuland für mich, aber ihr habt es super erklärt und belegt. Am interessantesten an der Geschichte finde ich, dass alles auf einem einzigen Leserbrief beruht. Ich denke, das sollte uns einiges lehren, auch im Hinblick auf die letzten Monate, in denen viele aufgrund von Gerüchten sich ein Weltbild zurechtgezimmert haben, das nichts mit der Welt zu tun hat. Ich würde mich über weitere ähnliche Artikel sehr freuen.

  2. Toller, sachlicher, gut recherchierter Beitrag ! Ich hatte auch immer eine totale Antipathie gegen MSG und jetzt sehe ich das etwas anders…deswegen werde ich es jetzt nicht kiloweise einsetzen, aber ich sehe die Sache etwas entspannter…; ) Danke dafür !

  3. Um ehrlich zu sein, kann ich mich mit Idee Glutamat pur irgendwo hinzuzufügen immer noch nicht anfreunden. Ich habe mir einen Booster selbst hergestellt, der Glutamat enthält durch die verwendeten Lebensmitrel. Im Verhältnis 1:1:1 mahle ich Hefeflocken, getrocknete Tomaten und Pilze. Das reicht mir, um den Geschmack zu verfeinern.

    1. Das musst du auch gar nicht, keine Sorge. Das war auch gar nicht die Intention. 🙂

      Wenn wir dich aber nochmal zum Nachdenken bringen, dass dein (seeehr lecker klingender) Mix eben chemisch das gleiche enthält, wie das verdammte Pulver … dann haben wir das Ziel erreicht. 😉

  4. Interessanter Beitrag, finde ihn jedoch auch einseitig, und hab mich gefragt, WOZU? Habe auch die vielen Kommentare gelesen und glaube auch, wenn man Zeit und Muße zum Kochen hat bekommt man auch sensationellen Geschmack mit, wie du auch schreibst, natürlichem Glutamat hin. Ich finde es unnötig in tolles Essen mit hochwertigen, biologischen Zutaten, einen künstlichen Stoff zu ergänzen. Oder sagen wir, es widerstrebt mir sogar. Das ist wohl auch der Grund, warum ich diesen Beitrag kommentiere. Vielleicht bin ich sogar etwas enttäuscht, gerade von dir diesen Beitrag zu lesen. Ich habe all eure Kochbücher. Ich schließe nochmals mit der Frage WARUM? Bzw, weißt du, was mir widerstrebt? Glutamat ist ein Suchtmittel bzw gaukelt dem Körper extrem lecker vor, das Sättigungsgefühl wird gehemmt und auch Grund dafür, dass natürlicher Geschmack von vielen ua Jugendlichen als langweilig abgetan wird, weil das glutamathaltige Essen intensiver schmeckt.

    1. Hallo liebe Barbara,

      erstmal vielen Dank für deinen Input.

      Glutamat ist allerdings per Definition nicht als Suchtmittel zu bewerten und auch wenn es sicherlich nicht verkehrt ist, zusätzliches MSG in Säuglings- und Kindernahrung zu vermeiden, ist die Wissenschaft der Meinung, dass es den Appetit eben erst ab einer relativ hohen Dosis anregt (Quelle).

      Ich wiederhole mich: Dieser Text soll dich nicht dazu „zwingen“, Glutamat als würzende Zutat zu verwenden. Er soll aufklären und zur Diskussion anregen. Das ist die Antwort auf dein WOZU? und WARUM?. 😉

      Liebe Grüße
      Jörg

    2. 1. Ist glutamat KEIN künstlicher Stoff!
      2. Hat nicht jeder Zeit und Muße sich stundenlang in die Küche zu stellen! Wenn du Zeit und Geld hast dich stundenlang mit deinem Bio-Zeug in der Küche zu verschanzen – schön für dich! Aber auch blanker Hohn allen anderen ’normal‘ kochenden Leuten gegenüber..
      3. Wenn du ein hervorragendes Natürliches essen hast, dass man nicht ‚pimpen‘ muss schön – wenn du ein fantastisches essen damit NOCH besser machen kannst ohne gesundheitliche Probleme erwarten zu müssen… Why not? Ist doch super…
      4. Diente der Artikel nur dazu mit diesen ganzen Mythen der Gesundheitsschadlichkeit aufzuräumen!
      5. Dass Jugendliche und Co. keinen ‚Geschmack‘ mehr haben liegt an dem ganzen Fastfood Fertigscheiß und massenhaften künstlichen Aromen!! Sicher nicht an geschmacksvetstärkenden Zusatzstoffen, die wie gesagt nur natürliche Aromen verstärken und nicht ersetzen…

  5. Skandalös, was du da schreibst, Jörg 😉 aber danke, dass du dich dem Thema so ausführlich angenommen hast. Wie immer macht die Dosis das Gift, wie bei so vielem Leben. Ich setze insbesondere auf natürlich verarbeitete Lebensmittel, die ich selbst zubereite. „Muss“ ich auswärts essen und vertrage etwas nicht, dann fällt es mir schwer, den Übeltäter zu finden. Würde es aber vermutlich eher nicht (nur) Glutamat zuschreiben. Denn es kann, wie du ja schreibst, an so einigen Zutaten liegen. Deshalb achte ich auch deshalb auf die Wahl des Restaurants oder auf den Snack selbst.

  6. Moin Jörg. Das hört sich ja alles sehr schlüssig an, dennoch bin ich wohl irgendwie allergisch auf das Zeug. Beispiel Chipstüte, selbst Bio, bekomme ich auf der Zunge immer ein Kribbeln. Nehme ich viel von diesem Mononatriumglutamat zu mir, macht meine Verdauung für drei Tage eine Pause und am dritten Tag sehe ich nach 6. Monat aus. Das gleiche,in abgeschwächter Form, gilt auch für Gluten. Seit dem ich auf beides achte, geht’s mir einfach besser. Ich denke meine Unverträglichkeiten rührt daher, daß ich mich vor 30 Jahren, weg von Zuhause, viele Jahre mit Instant und Fertigprodukten ernährt habe. Da war’s dann wohl irgendwann zu viel. LG Tom

    1. Hi Tom,

      na ja, Kartoffelchips sind allein aus ernährungsphysiologischer Sicht eben jetzt nicht unbedingt der Goldstandard, was die Untersuchung der Verträglichkeit von Glutamat angeht. Es kommt ja auch darauf an, welche Chips du kaufst. In der Billo-Tüte ist möglicherweise sehr viel Glutamat, sehr viel Salz und auch andere Stoffe, auf die der Körper (möglicherweise aus wissenschaftlicher Sicht viel fundierter) reagiert. Reines Mononatriumglutamat ist in Bioprodukten gar nicht zugelassen.

      Beobachtest du also ähnliche Symptome auch beim Verzehr von glutamathaltigen Lebensmitteln? Also Sojasauce, Tomaten etc.? Dann könntest du tatsächlich an einer Art Allergie leiden. Wenn nein, würde ich mir das an deiner Stelle nochmal genauer anschauen.

      Aber auch wenn du allergisch reagieren solltest, ist das doch noch kein Grund, einen Stoff in Gänze zu verurteilen. Ich habe Heuschnupfen. Unangenehmen. Ich plädiere deshalb aber nicht dafür, sämtliche Birken dem Erdboden gleichzumachen. 😉

      Grüße
      Jörg

      1. Vorsicht mit dem Begriff Allergie. Das bezeichnet relativ spezifisch eine immunologische Reaktion des Körpers in deren Verlauf auch Antikörper gebildet werden. Dagegen sprechen aber mehrere Tatsachen:

        – Glutamat ist ein ziemlich kleines Molekül und zu klein, um selber immunogen zu sein.
        – Glutaminsäure ist ein wichtiger Bestandteil von Aminosäuren, wenn wir dagegen allergisch werden, wäre das wohl ziemlich tödlich.
        – Glutamat spielt eine wichtige Rolle als Neurotransmitter, auch hier wäre eine Immunreaktion, ähm, problematisch.

        Ich würde hier allenfalls von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sprechen.

      2. Du hast damit natürlich recht. Tatsächlich wollte ich die Vokabel „Unverträglichkeit“ eben partout vermeiden bzw. ersetzen, da diese Glutamatunverträglichkeit eben sehr mit dem Chinese Restaurant Syndrom in Verbindung gebracht wird und ich eben anders erklären wollte. Ich habe im Beitrag umformuliert.

  7. Richtig guter Beitrag! Habe mich jetzt auch schon länger von einem wissenschaftlichen Standpunkt her mit dem Thema befasst und kam
    zu den gleichen Schluss. Aber du hast es wirklich gut auf den Punkt gebracht und zusammengefasst 🙂

  8. Servus und vielen Dank für diesen sehr guten Beitrag!👍
    Ich überlege ernsthaft mir jetzt doch wieder, nach immerhin gut 25 Jahren „Glutamatfreies“ Kochen, ein Tütchen MSG zu kaufen. 😁
    Ich bin mit diesen Fertigtüten für Soßen usw. aufgewachsen. Als ich ausgezogen bin und Mutter wurde hab ich mich diesem „Teufelszeug“ abgewandt. Muss ja für die lieben Kinderlein alles frisch (was ja auch richtig ist), gesund und ohne Chemie sein. So wurde es einem ja immer durch sämtliche Medien eingetrichtert.
    Ein Profikoch flüsterte mir mal zu: „Eine kleine aber feine Prise Glutamat hat noch nie geschadet!“ 😄
    Auch nach dieser Aussage dachte ich mir, das geht doch nicht! Aber soll ich Dir was sagen, mein heiß geliebtes Sauerkraut hatte ich früher immer mit ein paar Spritzer M**** (diese braune Flüssigwürze🙈)gewürzt. Es war so lecker 🤤 Seitdem ich drauf verzichte, also auf den Zusatz, denke ich mir jedesmal beim Sauerkraut kochen: „…und jetzt ein bisschen M**** das wär‘s!!!! 😉
    Morgen ist Montag? Ich glaube ich muss zum einkaufen. LG 🙋🏻‍♀️

    1. Hi Petra!

      Mit Maggi laufen zwei Dinge schief:

      Das Zeug wird leider von Nestlé vertrieben
      In dem Fall muss ich sagen, „leider“ ist Glutamat enthalten. Wir würden unheimlich gerne die Urform von Julius Maggi probieren, die ja tatsächlich nur durch die Fermentation von Gemüse gewonnen wurde (und dadurch wurde eben das Glutamat gebildet).

      Ansonsten ist das braune Zeug halt einfach auch unerreicht. 🤷‍♂️😆

      Liebe Grüße
      Jörg

  9. Ich setze meinen selbst gekochten Rezepten (selten vegan, oft vegetarisch, auch mit Fleisch oder Fisch) kein Glutamat zu. Das hat bei mir nichts mit Angst vor Glutamat zu tun, sondern damit, dass es nicht nötig ist. Ich koche mit hochwertigen, frischen und möglichst unbehandelten Zutaten (wenig Convenience), und da habe ich es nie vermisst. Dass Glutamat in vielen Lebensmitteln, die ich gern verwende, natürlich vorkommt, wusste ich. Ich esse allerdings auch gern in asiatischen Restaurants und hatte nie Probleme.
    Das als „Glutamat“-Nebenwirkung beschriebenen Unwohlsein kenne ich allerdings schon – wenn ich z. B. aus sozialen Gründen Essen zu mir nehme, das einfach minderwertig ist. Das bedeutet dann oft: viel minderwertiges Fett und eine starke Überwürzung. Das habe ich früher, besser vertragen als heute (man wird nicht jünger …), und ich schreibe das eher unmäßigem Salzzusatz und eben dem billigen Fett zu (irgendwie müssen die ja auch Geschmack reinkriegen). Die rassistische Konnotation fand ich erhellend und auch plausibel. Die kenne ich mehr indirekt – wenn Leute sagen, dass sie asiatischem, vor allem chinesischem Essen gegenüber misstrauisch sind, während sie sich ansonsten den größten Dreck, den Imbisse und die Lebensmittelindustrie bereithalten, reinpfeifen.

    1. Hi Anne,

      vielen Dank für das Feedback. „Nötig“ ist es natürlich nicht, allerdings ist es eben eine würzende Zutat, die man einfach auch mit Speisesalz vergleichen kann. 🙂

      Liebe Grüße
      Jörg

  10. Guten Morgen,
    Vielen Dank für den ausführlichen, sachlichen und informierenden Artikel. Ich war zwar vorher kein Glutamat Verachter, habe die Diskussion aber trotzdem mitbekommen. Und nun gehe ich mit dem neuen aufgeklärten Wissen weiter und möchte es auch sehr gerne mal in paar Gerichten ausprobieren! Ich glaube die ganzen Informationen raussuchen war bestimmt viel Arbeit, deswegen nochmal vielen Dank!
    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag