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Warum ich keine blaue, hexagonal geformte vegane Wurst möchte, die ich nicht mehr Wurst nennen darf

Vegane Wurst

Lasst uns krea­tiv sein, um bes­se­re Bezeich­nun­gen für BESSERE Pro­duk­te zu finden!

So lau­te­te ein Kom­men­tar auf unse­re Vor­stel­lung des Hap­py Chee­ze-Sor­ti­ments – Käse-Alter­na­ti­ven auf Cas­hew-Basis – von Mudar Mannah.

Und obwohl die Head­line etwas unver­ständ­nis­voll klingt, ver­ste­he ich abso­lut den Hin­ter­ge­dan­ken von Gerd (nix für ungut noch mal!). Eigent­lich wäre es ja schön, wenn man auch die Pro­dukt­na­men von den Ori­gi­na­len tie­ri­schen Ursprungs tren­nen könnte.

Aber da kommt die Frage: Wie?

Ich wur­de mehr als ein­mal von Omnis gefragt, war­um „unse­re“ vega­nen Pro­duk­te denn unbe­dingt in Form und Optik den „ech­ten“ Würs­ten, „ech­ten“ Bur­gern und „ech­ten“ Steaks ähneln müss­ten (und fühl­te mich dabei etwas geschmei­chelt. A la „Ha! Du kannst’s doch selbst nicht mehr unterscheiden!“).

Mei­ne – ernst gemein­te – Rück­fra­ge lau­te­te dann irgend­wann: „Wie sol­len ‚wir‘ unse­re Pro­duk­te denn for­men, damit ‚ihr‘ Omnis nicht mehr auf den von ‚uns‘ per­fi­de geplan­ten ‚Betrug‘ her­ein fallt?“ (Auf das ‚ihr‘ und ‚uns‘ gehe ich spä­ter noch­mal ein.)

Ant­wor­ten und Vor­schlä­ge kamen dann übri­gens kei­ne mehr. Nicht ein­mal nicht-ernstzunehmende.

Ich habe mir die Fra­ge selbst gestellt und zum Schluss gekom­men, dass das schlicht und ergrei­fend nicht geht.

Es hat ja einen Grund, dass Brat­würs­te so geformt sind, wie sie sind. Blau ein­fär­ben und in eine hexa­go­na­le Form pres­sen ist ein­fach unprak­tisch und wür­de als fer­ti­ges Pro­dukt wohl auch nicht so appe­tit­lich aus­se­hen. Seit­an-Steaks in zylin­drisch-hoh­ler Form wären mög­li­cher­wei­se Anwär­ter auf den nächs­ten Foo­die-Cra­ze, machen beim Anbra­ten aber mas­si­ve Pro­ble­me. Und das Essen erst! Ich seh‘ die Din­ger schon durch die Gegend fliegen.

Genau­so ver­hält es sich mit Käse. Die Hilfs­mit­tel zur Her­stel­lung sind schon da, die Her­stel­lung von Ori­gi­nal- und Faux-Käse ist ähn­lich und das Ergeb­nis sieht als Mas­se auch wie­der aus, wie Hart­kä­se­sor­ten aus Kuh­milch. Und das ohne Zutun des Herstellers.

Was mich wie­der zum Voka­bu­lar bringt.

Die Begrif­fe Käse und Wurst kom­men vom Hand­werk des käse­ns und des wurs­tens (der 15-Jäh­ri­ge in mir kichert!).

Wäh­rend das Wort Käse vom latei­ni­schen über­nom­men wur­de (und sogar der Duden sagt: „(von Milch o. Ä.) gerin­nen, zu Käse wer­den“), kommt das Wort Wurst ver­mut­lich aus dem Indo­ger­ma­ni­schen und bedeu­tet etwas in die Rich­tung „ver­men­gen“ oder „dre­hen“. Genau die Arbeits­schrit­te, die auch ein vega­ner Wurst­her­stel­ler vor sich hat, wenn er lecke­re Brat­wurst oder Cho­ri­zo pro­du­zie­ren möchte.

Da haben wir es doch! Wurst heißt nicht Wurst, weil sie mal ein Schwein war. Wurst heißt Wurst, da sich irgend­ein klu­ger Kopf mal gefragt hat, wie er das Ding jetzt nen­nen soll, dass er gera­de gewurs­tet (wie­der Kichern!) bezie­hungs­wei­se ver­mischt hat und zum Schluss kam, es wäre doch am ein­fachs­ten, es nach dem Her­stel­lungs­pro­zess zu nen­nen. Leuch­tet ein, fin­dest du nicht auch?

„Ihr“ und „Wir“ – we’ve come a long way

Mit der Erfin­dung von Neo­lo­gis­men für vega­ne Wurst und vega­nen Käse set­zen sich Vega­ner erneut ab von der brei­ten Mas­se. Und das in einer Pha­se, in der der Vega­nis­mus so gesell­schafts­fä­hig ist wie noch nie.

Ich per­sön­lich brau­che kei­ne Mas­sen-Akzep­tanz. Ich käme zur Not auch ohne klar.

Die aktu­el­le und glück­li­cher­wei­se nicht abrei­ßen wol­len­de Medi­en­prä­senz macht jedoch 1. das Leben schlicht um eini­ges ein­fa­cher und 2. wird dadurch ja auch Hin­ter­grund­wis­sen über das vega­ne Leben und ethi­sche Ent­schei­dun­gen vermittelt.

Wozu also nach einer einer opti­schen und sprach­li­chen Abgren­zung streben?

Die wenigs­ten von „uns“ sind als Vega­ner gebo­ren wor­den, wes­halb ein gro­ßer Teil mit die­sen Lebens­mit­teln posi­ti­ve Erin­ne­run­gen aus dem prä-vega­nen Leben ver­bin­det. Man soll­te also nicht ver­ges­sen, dass die­se Ersatz­pro­duk­te (was für eine abfäl­li­ge Mist-Bezeich­nung) vie­len Neu-Vega­nern den Umstieg erleich­tert haben.

Und war­um? Weil eben irgend­wie klar ist, was man mit einer „Brat­wurst“ oder einem „Steak“ anzu­fan­gen hat. Und wenn das Gan­ze dann auch noch geschmack­lich an Bekann­tes erin­nert – umso bes­ser, oder nicht?

Also lass uns nicht nach neu­en Bezeich­nun­gen suchen. Wir hät­ten nichts davon. Zumin­dest ist das mei­ne Überzeugung.

Aber wie stehst du dazu? Lass mich dei­nen Stand­punkt in den Kom­men­ta­ren wissen.

Vegan seit zwanzig-null-sechs. Liebt es, zu kochen, guten Kaffee, Chilis in allen Formen und Farben, Kameras und Objektive – hofft dabei, dass er das ganze Zeug auch zumindest einigermaßen angemessen bedienen kann –, hat nie genügend Messer, sitzt gerne auf dem Mountainbike und hört dabei Metal.

20 Kommentare

  1. Hal­lo Jörg,
    Das ist ein inter­es­san­ter Bei­trag, denn ich wur­de auch von einem Kol­le­gen und ande­ren mit die­sem The­ma kon­fron­tiert und hat­te kei­ne Ant­wort, obwohl ich das The­ma über­haupt doof fand, um nicht zu sagen sehr grenz­wer­tig und emp­fand dies, wie Into­le­ranz mir gegen­über. War­um stö­ren sich die Leu­te dran, daß die Vega­ner eine Vegan-Wurst Wurst nen­nen ? War­um neue Wör­ter erfin­den? Ich ver­ste­he das nicht. Des­halb fin­de ich Dei­ne Argu­men­te sehr hilf­reich – also daß die Namen mit der Art der Her­stel­lung und nicht mit dem Inhalt zu tun haben. Auch der Bei­trag von Marie ist sehr gut in die­ser Dis­kus­si­on. Vie­len Dank an alle.

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    1. Vie­len lie­ben Dank. Der Bei­trag hat schon längst eine Über­ho­lung ver­dient und ich hof­fe, ich kom­me bald dazu. Bis dahin: Cool, dass du trotz­dem das ein oder ande­re Argu­ment her­aus­zie­hen konntest. 🙂

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    2. „der ver­se­hent­li­che Kon­sum von Hafer­milch wird offen­bar als pro­ble­ma­ti­scher ange­se­hen als ein herz­haf­ter Schluck Scheuermilch“

      Der Art­ge­nos­se

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  2. Bei Mar­zi­pan­kar­tof­feln beschwert sich auch nie­mand dar­über, dass es sich nicht um ech­te Kar­tof­feln han­delt. Und es gibt noch so vie­le Bei­spie­le, nur dass das eben so im Spach­ge­brauch ange­kom­men ist, dass es nie­man­dem mehr auffällt.
    Ein Gemü­se­bett ist auch kein Möbel­stück, Eischnee hat nichts mit Schnee zu tun. Und wenn wir schon von Wurst reden, ich sag nur K*ckwurst. Oder die so genann­te Käse­schmie­re.. ganz was Fei­nes. Dar­über hat sich mei­nes Wis­sens nach auch noch kein Omni­vo­re beklagt.

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    1. Hal­lo lie­be Marie,

      VIE-LEN LIE-BEN Dank dafür! Genau unser Niveau. 🤣

      Lie­be Grüße
      Jörg

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    2. Schö­ner Bei­trag und inter­es­san­te Kom­men­ta­re mit vie­len sach­li­chen Argu­men­ten für bei­de Ansichten!

      Auch mei­ner Mei­nung nach ist es grund­sätz­lich völ­lig unnö­tig etwas das vege­ta­risch oder vegan ist NICHT Wurst zu nen­nen. Argu­men­te dafür wur­den hier bereits mehr als genug aufgeführt.

      Bei Dis­kus­sio­nen kra­me ich eben­falls ger­ne das Bei­spiel „K*ckwurst“ her­vor, aber Maries Mar­zi­pan­kar­tof­feln sind auch schön. Die Käse­schmie­re hat bei mir für lau­tes Geläch­ter gesorgt!

      Was bei mir letz­tens dann aber doch wie­der für kopf­in­ter­nen Dis­kus­si­ons­stoff sorg­te, war das „Schmalz­ge­bäck“ auf dem Ham­bur­ger Dom (eig. ein Jahr­markt [oder Quar­tals­markt – es ist kom­pli­ziert]). An dem Begriff stört sich auch nie­mand, obwohl das Gebäck dann auch noch damit bewor­ben wur­de, dass es in „vega­nem Schmalz“ geba­cken wur­de… Also in Pflan­zen­öl? Ich plä­die­re daher für die Ver­wen­dung des Begriffs „Ölge­bäck“ oder den noch bes­se­ren, weil all­ge­mei­ne­ren und appe­tit­li­che­ren Begriff „Fett­ge­bäck“ 😉
      *An die­ser Stel­le noch einen Witz über Ohren­schmalz einfügen*

      Es gibt vie­le erns­te und lus­ti­ge Argu­men­te dafür und dage­gen. Am Ende wis­sen alle was mit Wurst vs. Veg­gie-Wurst gemeint ist.

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  3. Ich fin­de den Bei­trag super, dan­ke dafür! Lei­der reißt auch drei Jah­re spä­ter die­se Dis­kus­si­on nicht ab und ich wer­de, wie vie­le ande­re Vega­ner auch, sofort kri­tisch beäugt, wenn ich es wage mir eine Schei­be „Vurst“ aufs Brot zu legen. Viel­leicht soll­te ich den Text hier ein­fach zig­fach dru­cken und zu einem Abreiß­block bin­den las­sen. Dann kann ich beim nächs­ten mal ein­fach eine Sei­te abrei­ßen, sie dem­je­ni­gen, der unge­fragt mein Essen kom­men­tiert, hin­le­gen und in Ruhe mei­ne Stul­le essen.

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    1. Das wäre doch mal was 😆
      Viel­leicht soll­ten wir das zum Down­load zur Ver­fü­gung stellen 🤔😉

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  4. Euer Blog ist wirk­lich toll!

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  5. Hmmm, das ist ein the­ma, über das ich schon nach­ge­dacht habe, bevor ich mich vegan ernährt habe (2012): wie­so sehen vega­ne Pro­duk­te wie das „Ori­gi­nal“ aus und heis­sen auch so? Ich habe sehr lan­ge vege­ta­risch gelebt und da war das kei­ne Fra­ge: kein Fleisch, kei­ne Wurst … seit der vega­nen Ernäh­rung ist das wie­der ein The­ma, da mehr :look-ali­kes“ dazu gekom­men sind und Din­ge, die ich selbst her­stel­le (Seit­an­bra­ten, ‑würs­te z.B., Tofu- und Soja­bu­let­ten etc.)
    Ich für mich den­ke: es ist die „drit­te Kom­po­nen­te“ auf dem Tel­ler, das ande­re zu Gemü­se, Kar­tof­feln oder Reis oder Nudeln, das ande­re „Beis­s­er­leb­nis“. Für die meis­ten von uns gab es ein Leben vor vege­ta­risch oder vegan, das in uns steckt. Das haben wir so gelernt, so sind wir auf­ge­wach­sen und das ist auch okay. Und ein paar Din­ge möch­ten wir geschmack­lich oder wegen des Aus­se­hens nicht auf­ge­ben … für mich gehört zum vega­nen Essen auch die Begeis­te­rung, etwas zum Essen zu Pro­du­zie­ren, was so aus­sieht und schmeckt, wie ich es mal „un-vegan“ lieb­te, z.B. fish and chips …

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  6. Ich selbst habe mir um die Bezeich­nun­gen vega­ner Lebens­mit­tel bis­her kaum Gedan­ken gemacht, esse aber auch kei­ne Fer­tig­pro­duk­te. Ein fleisch­essen­der Freund tat das jedoch und ich fand sei­ne Per­spek­ti­ve sehr span­nend. Er mein­te, wenn wei­ter­hin Fleisch­ge­rich­te, optisch und auch nament­lich, nach­ge­ahmt wür­den, wür­de sich im kol­lek­ti­ven Bewusst­sein nichts an der Tat­sa­che ändern, dass zu einer „rich­ti­gen“ Mahl­zeit Fleisch gehö­re. Ich den­ke, dass in vegangen/vegetarischen Krei­sen ein dif­fe­ren­zier­te­res Bewusst­sein dazu vor­herrscht, kann mir aber durch­aus vor­stel­len, dass sol­che Pro­duk­te in der brei­ten Mas­se dazu füh­ren, dass nicht umge­dacht wird.
    Mir fällt dazu ein Bei­spiel aus unse­rem Sprach­ge­brauch ein: so lan­ge es Men­schen gibt die die Wor­te „schwul“ oder „behin­dert“ als Syn­onym für etwas schlech­tes ver­wen­den, bleibt eine Basis für Aus­gren­zung bestehen. So ähn­lich stel­le ich mir das auch mit der posi­ti­ven Bewer­tung von Fleisch­kon­sum vor – eben auch dadurch dass jedes Fleisch­ge­richt (optisch und nament­lich) nach­ge­ahmt wird. 

    Die Bedeu­tung der Begrif­fe des Wurs­tens und Käse­ns kann­te ich bis­her nicht. Wenn man es so erklä­ren kann (was ich defi­ni­tiv tun wer­de soll­te ich mal wie­der gefragt wer­den) macht es für mich auch Sinn, die selbst­ge­mach­ten Lebensmittel/Gerichte so zu nennen.

    Den Post von Hes­ting fin­de ich übri­gens ganz anregend!

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    1. Auch wenn das ein span­nen­der Gedan­ken­gang ist – ich sehe die „Gefahr“ nicht. Wurst und Brat­lin­ge haben in ihrer Form und Aus­se­hen sel­ten etwas mit dem ursprüng­li­chen „Pro­dukt“ Fleisch zu tun, der tie­ri­sche Ursprung wur­de also auch „gelernt“ und kann im Umkehr­schluss auch ver­lernt werden 🙂

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  7. Ja, es fällt schon auf, wie in letz­ter Zeit die Nicht­ve­ge­ta­rier/-Vega­ner in mei­nem Bekan­ten­kreis sich gera­de­zu tri­um­phie­rend dar­über mokie­ren, dass die vega­nen Ersatz­pro­duk­te eben auch Wurst, Steak o.ä. genannt wer­den. Die haben wohl alle die­sel­be Fern­seh­sen­dung gese­hen! Ich fra­ge mich, was das bewei­sen soll, wenn ich mir erlau­be, die Bezeich­nun­gen Vega­nes Mett, Vega­ne Leber­wurst oder Vega­nes Rühr­ei (übri­gens kei­ne Fer­tig­pro­duk­te) zu ver­wen­den. Mache ich mich damit zum Heuchler?
    Letz­tens in einer Koch­show hat sich so eine „Star­kö­chin“ nicht ent­blö­det, dar­über zu meckern, dass Vega­ner ihre Brat­lin­ge „Brat­lin­ge“ nen­nen. Das kön­ne sie ja nun mal gar­nicht ver­ste­hen, dass Fleisch­geg­ner Begrif­fe aus der Fleisch­kü­che ver­wen­den wür­den. Auch hier fra­ge ich mich, wofür das ein Indiz sein soll? Ganz abge­se­hen davon, ist „Brat­ling“ ja wohl eine ganz neu­tra­le Bezeichnung.

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  8. Ich glau­be vie­len Leu­ten geht es haupt­säch­lich nicht um die Form von vie­len Pro­duk­ten, son­dern auch um deren Kon­sis­tenz und Geschmack. Dass vie­le vege­ta­ri­sche Würst­chen nicht ein­fach nur von der Form her genau­so aus­se­hen, son­dern auch gewürzt sind wie deren fleisch­li­ches Pen­dant und man auch ver­sucht die sel­be Kon­sis­tenz hin­zu­be­kom­men. Aber dar­an fin­de ich jetzt auch nichts ver­werf­li­ches, weil vie­le Leu­te eben noch an alten Geschmacks­rich­tun­gen posi­ti­ve Erin­ne­run­gen haben, die­se wei­ter­hin pfle­gen wol­len, nur halt auf vega­nem oder vege­ta­ri­schem Wege.

    Die meis­ten von uns sind Food­blog­ger, klar machen wir vie­les selbst. Aber seit vege­ta­ri­sche Ernäh­rung und vega­ne Ernäh­rung so „in“ gewor­den sind, sind auch vie­le ande­re Leu­te zu die­ser Ernäh­rungs­wei­se gesto­ßen, die sich nicht so viel Gedan­ken dar­über machen (wol­len). Vie­le grei­fen direkt zu die­sen Fer­tig­pro­duk­ten und nicht mehr zu den Roh­zu­ta­ten. Ein Bei­spiel wäre Tofu. Es gibt mitt­ler­wei­le so vie­len fer­tig gewürz­ten Tofu-Pro­duk­te, die irre teu­er sind und die man ganz ein­fach und güns­tig selbst zuhau­se machen könn­te, wenn man nur woll­te. Des­we­gen fin­de ich, hat Hes­ting in die­sem Punkt schon recht, was die­se Indus­trie­wa­re und die aktu­el­le Ent­wick­lung dazu angeht. Mitt­ler­wei­le sind sol­che Ersatz­pro­duk­te kei­nes­wegs mehr Bio. Es gibt ja jetzt auch voll vie­le Sachen im Dis­coun­ter. Neu­lich beim Dis­coun­ter gese­hen vege­ta­ri­scher Auf­schnitt auf Hüh­ner­ei­weiß-Basis. Ich kann mir förm­lich vor­stel­len, wie sie die Res­te von irgend einer ande­ren Pro­duk­ti­on dafür ver­wen­den. *gru­sel* Aber der nor­ma­le Ver­brau­cher sieht das nicht. Der liest nur vege­ta­risch, oh das muss gesund für mich sein. 

    Ich hab nichts gegen die­se Ersatz­pro­duk­te, kon­su­mie­re ich sie auch ab und zu sehr ger­ne. Aber oft sind sie mir viel zu stark gewürzt und der Fett­ge­halt ist meist viel höher, als der Eiweiß­ge­halt. Des­we­gen mag ich lie­ber Pro­duk­te, die man sel­ber wür­zen und ver­ar­bei­ten kann wie z.B. Seit­an, Tofu oder Soja­sch­net­zel. Oder ich mach halt nur was mit Gemüse.

    Und was die Dis­kus­si­on um die Bezeich­nung angeht so ist mei­ne Mei­nung: who cares! 😉 Sol­len sich die­se Leu­te doch über Begriff­lich­kei­ten strei­ten. Was das angeht bin ich der sel­ben Mei­nung, wie der obi­ge Beitrag! 🙂

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  9. Mein Kom­men­tar soll nicht all zu lang wer­den. Ich möch­te nur sagen, dass ich die­sen Bei­trag sehr mag und ger­ne gele­sen habe 🙂 ich tei­le die­se Auffassung.
    Das ein­zi­ge was ich anmer­ken möch­te ist – da dies aus dem Arti­kel den­ke ich nicht prä­zi­se her­vor­geht – dass die­se „Ersatz­pro­duk­te“ wie Soja­brat­wurst und co. wohl nicht Haupt­be­stand­teil einer vega­nen Ernäh­rung sind und eher die Aus­nah­me dar­stel­len. Grund­sätz­lich bin ich ein Fan von clean eating. Aber wenn ich Lust habe mir eine sol­che Wurst zu gril­len, war­um nicht? 😉
    Schließ­lich möch­te ich vegan leben – nicht aber mich selbst geißeln.

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    1. Du hast natür­lich abso­lut recht. Regel­mä­ßi­ge Leser wis­sen auch, dass wir sel­ten mit die­sen Ersatz­pro­duk­ten kochen. Aber zum The­ma der Ver­wen­dung wird es auch einen Fol­low-Up-Post geben, in dem ich mich zu den Pro­duk­ten selbst äußern werde 🙂

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  10. Vor­ab: hier schreibt ein Omni.
    Nach­dem ich mich sehr aus­führ­lich mit Frau Gemü­se­re­gal und einem Teil ihres Gefol­ges in die Nes­seln gesetzt habe (wie, ist bei Face­book nach­les­bar), sehe ich mich gera­de genö­tigt, hier auch noch ein­mal zu ant­wor­ten. Ich wer­de zwangs­läu­fig von der eigent­li­chen Fra­ge etwas abschweifen.

    Ich fin­de die Geschwin­dig­keit, mit der in den letz­ten Jah­ren fleisch­freie Pro­duk­te, die an fleisch­hal­ti­ge Pro­duk­te erin­nern, auf den Markt gekom­men sind, beängs­ti­gend. Nicht, daß unse­re Super­märk­te nicht vor zwan­zig Jah­ren schon über­mä­ßig voll gewe­sen wären und Essen ent­sorgt hät­ten. Nein, sie müs­sen immer grö­ßer wer­den und noch mehr Lebens­mit­tel vor­hal­ten, um für alle Even­tua­li­tä­ten gerüs­tet zu sein.

    Ich bin mit vege­ta­ri­scher Ernäh­rung in Kon­takt gekom­men, als ich 17 war – Mitte/Ende der Neun­zi­ger Jah­re. Vege­ta­risch essen hieß damals: selbst kochen, vor allem aber war *das* damals die Bewe­gung, die sich Gedan­ken über die Her­kunft des Essens mach­te. Ja, es gab damals Reform­häu­ser, die auch Fer­tig­pro­duk­te führ­ten. Ich kann mich aber nicht erin­nern, daß wir etwas gekauft hät­ten, das über Honig, Sam­ba, Auf­stri­che, Getrei­de, Tee und Honig­waf­feln hin­aus ging. Fer­ti­ge Mahl­zei­ten haben wir immer noch selbst zubereitet.

    Ich bin – als DDR-Kind – mög­li­cher­wei­se nicht genug an Schnit­zel und Brat­würs­te gewöhnt, um die­se lecker zu fin­den. Und die Koch­ge­wohn­hei­ten in mei­nem Eltern­haus haben sich in den Neun­zi­ger Jah­ren ohne­hin ver­än­dert. Nicht hin zu mehr Fleisch, son­dern eher davon weg, auch wenn kei­ner mein Bestehen auf vege­ta­ri­sches Essen gut fand. (Ich habe es dann irgend­wann aufgegeben …)

    Was mir – und offen­sicht­lich nicht nur mir, denn sonst gäbe es ja den Ein­trag nicht – nicht in den Kopf will, ist, war­um es die­se Pro­duk­te geben muß. Zynisch könn­te man sagen, weil es Leu­te gibt, die damit Geld ver­die­nen. Ich muß aber ganz gera­de her­aus geste­hen, daß ich jeman­den, der von Fleisch und Käse auf „Kunst­fleisch“ und „Kunst­kä­se“ umsteigt, nicht erst­neh­men kann. Weil man damit ein­fach den Teu­fel mit dem Beel­ze­bub aus­treibt. Man wen­det sich von einer Lebens­mit­tel­in­dus­trie ab und stützt sich statt­des­sen auf die nächs­te, kauft wei­ter­hin Pro­duk­te aus Mas­sen­er­zeu­gung, die vie­le selt­sa­me Stof­fe ent­hal­ten. Oder man bleibt sogar beim sel­ben Erzeu­ger. Wie gruselig.

    Ich bin ein gro­ßer Fan von Stef­fi Grau­er (www​.koch​trotz​.de), weil sie vie­les selbst ausprobiert. 

    Ich bin ein­fach ein zu gro­ßer Fan vom Selbst­ma­chen, Selbst­ler­nen, um nicht von einem Vega­ner zu erwar­ten, daß er sich auch damit beschäf­tigt, wo sein Essen her­kommt und ob es Alter­na­ti­ven zum Fer­tig­pro­dukt gibt. Ich fin­de, das muß unse­re Genera­ti­on ein­fach leisten.

    Die Gesell­schafts­fä­hig­keit ergibt sich ja erst durch die zuneh­men­de Bereit­stel­lung fer­ti­ger fleisch­frei­er, eifrei­er und (kuh-/schaf-/zie­gen-) milch­frei­er Pro­duk­te. Als Ver­brau­cher wer­det Ihr ehr­lich gesagt ziem­lich beschis­sen. Namen ändern dar­an übri­gens gar nichts.

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    1. Ich rol­le mei­ne Ant­wort ein wenig von hin­ten her auf 🙂

      Wie auch Stef­fi pro­bie­ren wir auch viel selbst aus, „bas­teln“ unse­re Brat­lin­ge, Steaks, Würst­chen meist selbst. Vie­le Rezep­te dafür fin­den sich auch hier auf dem Blog. Des­halb ging es mir mit mei­nem Post nicht (nur) um Fer­tig­pro­duk­te. Auch mei­ne selbst gemach­ten Seit­an-Würst­chen nen­ne ich Würst­chen und den Cas­hew-Käse, den Nadi­ne ab und zu selbst her­stellt, möch­ten wir auch Käse nennen.

      Zu den Fer­tig­pro­duk­ten und den in letz­ter Zeit (meist von Omnis) kri­ti­sier­ten Inhalts­stof­fen wer­de ich mich in einem ande­ren Bei­trag widmen 😉

      Nur so viel: Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass Super­märk­te plötz­lich mehr weg­wer­fen müs­sen, weil sie plötz­lich das kom­plet­te Pro­dukt­sor­ti­ment an vege­ta­ri­schen Lebens­mit­teln anbie­ten „müs­sen“. Ich gebe dir aller­dings recht damit, dass das Ange­bot ins­ge­samt irre groß gewor­den ist und die Weg­werf­kul­tur lei­der mit­ge­wach­sen ist.

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    2. Hes­ting, ich stim­me Dir völ­lig zu, dass Sel­ber­ma­chen die bes­te Vari­an­te ist – und das mache ich auch oft.
      Trotz­dem fin­de ich es gut und wich­tig, dass es auch vega­nen Käse, Wurst, etc. zu kau­fen gibt. Einer­seits, weil man ein­fach nicht immer die Zeit und Mög­lich­keit zum Sel­ber­ma­chen hat (etwa im Urlaub mit Mini-Küche im Appart­ment). Ande­rer­seits aber auch, weil der Gesund­heits­aspekt für mich nicht der zen­tra­le Grund für vega­ne Ernäh­rung ist. Umwelt und Tier­schutz ste­hen für mich deut­lich im Vor­der­grund, und wenn es da vie­len Men­schen leicht gemacht wird, auf vega­ne Vari­an­ten umzu­stei­gen, ist es für Umwelt und Tie­re auf jeden Fall ein Gewinn.

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  11. Ich erklä­re halt gern: Ich esse nichts mit/von Tier. – „Auch kei­nen Käse?“ – Dann ein­fach „Genau“ sagen zu kön­nen erleich­tert mir das Leben. Für mich ist Käse aus Milch, und damit will ich nichts zu tun haben…

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