Pasta e fagioli – das bohnigste Pastagericht überhaupt

Pasta e fagioli
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Nudeln und Boh­nen. Zusam­men gele­sen regt das viel­leicht nicht sofort den Sab­ber­fluss an, aber das Hin­ter­stüb­chen sagt trotz­dem „Ja, hät­te ich ger­ne“. Kein Wun­der, dass Pas­ta e fagio­li so ein Ren­ner sind.

Pas­ta e fagio­li. Stol­zer Teil der la cuci­na pove­ra, also der „Küche der Armen“ – wie auch das jeder­fraus und ‑manns Lieb­lings­ge­richt, die Piz­za – sind ein abso­lu­ter Klas­si­ker der ita­lie­ni­schen Küche, wer­den als „Pas­ta Fazool“ in der ita­lo-ame­ri­ka­ni­schen Dia­spo­ra sogar besun­gen … und blei­ben den­noch hier­zu­lan­de eher under­dog.

Dabei ist die­ses Misch­masch aus rela­tiv dickem Ein­topf und etwas zu sau­ci­gem Pas­ta­ge­richt, in dem Nudeln und Boh­nen auf Toma­te und vor allem auf viel Geschmack tref­fen, qua­si die Defi­ni­ti­on von Com­fort Food. Ohne dabei auf­wen­dig oder mäch­tig zu sein. Im Gegen­teil, Pas­ta e fagio­li wär­men in der nass­kal­ten Jah­res­zeit, machen dank des Pro­te­ins und der Bal­last­stof­fe der Boh­nen lan­ge satt und brin­gen auch noch etwas unbe­darf­ten Köch:innen neben­bei ganz rudi­men­tä­re Küchens­kills bei … was das Rezept oben­drein zu einem per­fek­ten Ein­stieg in den Vega­nu­a­ry 2022 macht. Das Gericht, wel­ches über­setzt ein­fach nur schlicht Nudeln und Boh­nen ver­spricht – stimmt zwar, ord­ne ich trotz­dem unter der Kate­go­rie „derbs­tes Under­state­ment“ ein – war his­to­risch gese­hen ohne­hin mehr oder weni­ger aus Ver­se­hen vegan, es wur­de schließ­lich nur aus güns­ti­gen Zuta­ten zube­rei­tet und da zähl­te Fleisch eben nicht dazu. Was 👏 will 👏 man 👏 mehr?

Wo Pas­ta e fagio­li schluss­end­lich erfun­den wur­den, ist nicht ganz klar. Sicher ist, dass das Gericht aus dem Süden Ita­li­ens stammt. Ein gro­ßer Teil der ita­lie­ni­schen Ein­wan­de­rer, die vor­wie­gend Ende des 19. Jahr­hun­derts in die USA über­sie­del­ten, stamm­ten aus dem süd­li­chen Teil des Lan­des und spra­chen die nea­po­li­ta­ni­sche Spra­che, in der das Gericht „pas­ta e fasu­le“ heißt. Aus „fasu­le“ wur­de ame­ri­ka­ni­siert „Fazool“, an der Lie­be zum Gericht hat sich aber nichts geän­dert. Im Gegen­teil, wenn Dean Mar­tin „When the stars make you drool, just like pas­ta fazool, that’s amo­re“ schmet­tert, weiß man, was Sache ist – nicht nur, aber vor allem für Ita­lo-Ame­ri­ka­ner. Und bereits vor „Amo­re“ gab es den Song „Pasta­fa­zoo­la“, in dem von Men­schen berich­tet wur­de, deren Erfolg die Song­wri­ter Van and Schenk aus­schließ­lich auf Pas­ta Fazool schrie­ben. Dar­un­ter der legen­dä­re Base­ball-Spie­ler Babe Ruth … aber halt auch Mus­so­li­ni. Der wur­de dem Gas­sen­hau­er dann zum Verhängnis.

Ach ja, falls du dich gera­de fragst, ob du ein Déjà-vu hast: Ja, es exis­tiert bereits ein Rezept zu Pen­ne e fagio­li bian­chi auf dem Blog. Aller­dings haben wir das vor Urzei­ten nach einem Gericht nach­ge­kocht, wel­ches hin und wie­der auf der Spei­se­kar­te unse­res Stam­mita­lie­ners stand und im Nach­hin­ein betrach­tet wenig mit der „ech­ten“ Pas­ta e fagio­li zu tun hat – auch wenn es eben­falls bom­bas­tisch schmeckt.

Pasta e fagioli

Vegane Pasta e fagioli – Troubleshooting

Die richtigen Bohnen

In Ita­li­en sind Bor­lot­ti­boh­nen mehr oder weni­ger Stan­dard, wäh­rend Tony Sopra­no in New Jer­sey ver­mut­lich eher Can­nel­li­nis bevor­zugt hät­te. Das ist safe, steht so im Koch­buch zur kul­ti­gen Mafia-Serie. Die wei­ßen Can­nel­li­ni­boh­nen erhal­ten ihre Far­be und auch ihren Biss, wäh­rend sich die leicht bräun­li­chen Bor­lot­ti­boh­nen mit ihrer unver­gleich­lich cre­mi­gen Kon­sis­tenz ein wenig im Ein­topf auf­lö­sen und so zu einem ein­fach nur posi­tiv „maul­fau­len“ Ess­er­leb­nis füh­ren. Wenn ich mal ein Gebiss brau­chen soll­te, hät­te ich ger­ne Pas­ta e fagio­li can­nel­li­ni in rau­en Mengen!

Wir grei­fen der Ein­fach­heit hal­ber zu bereits gekoch­ten Boh­nen – aus der Dose oder selbst gekocht. Wenn du genü­gend Zeit hast, kannst du das Rezept jedoch auch direkt mit getrock­ne­ten Boh­nen zube­rei­ten, sie­he dazu mei­ne Tipps nach dem Rezept.

Das Soffritto

Soff­ritto ist qua­si die ita­lie­ni­sche Ver­si­on der Mire­poix, also fein geschnit­te­nes, gebra­te­nes Gemü­se, wel­ches als Basis für Sup­pen, Schmor­ge­rich­te, Ein­töp­fe etc. ver­wen­det wird.

Soffritto

Dafür ver­wen­den wir Zwie­beln, Karot­ten und Stan­gen­sel­le­rie. Und Knob­lauch … weil wir kön­nen. Das Gemü­se wird feins­tens gehackt – mit dem Mes­ser, falls du dei­ne kni­fe skills trai­nie­ren willst oder fix im Food Pro­ces­sor – und anschlie­ßend gemäch­lich gebra­ten. Die gro­ße Ober­flä­che, die durch das klein schnei­den ent­steht, sorgt dafür, dass schnel­ler mehr Röst­aro­men ent­ste­hen können.

Tomate oder keine Tomate?

Ganz puris­ti­sche Rezep­te für Pas­ta e fagio­li ver­zich­ten gänz­lich auf Toma­ten. Für Pas­ta Fazool dür­fen sie aller­dings nicht feh­len. Wir ver­wen­den Toma­ten­mark für eine Extra­por­ti­on Uma­mi und gute, süße San-Mar­za­no-Toma­ten aus der Dose, gehen mit bei­dem aber eher spar­sam um, das Aro­ma der Boh­nen ist Star der Show.

Welche Pasta?

Grund­sätz­lich ist es egal, wel­che Nudeln du in den blub­bern­den Pott wirfst, Haupt­sa­che, sie sind klein. Wenn du sie fin­dest, nimm Dita­li­ni, die kur­zen Röh­ren­nu­deln, die auch klas­sisch für Min­e­s­t­ro­ne sind. Aber auch klei­ne Pipe Riga­te oder Mac­che­ro­ni gehen. Haupt­sa­che, die Nudeln sind nicht grö­ßer als die Boh­nen, hier geht’s um Balan­ce, ja? Tra­di­tio­nell wur­den sogar zer­bro­che­ne Nudel­res­te ver­wen­det. „No Food Was­te“ und so.

Etwas Gemüse gefällig?

Im Ernst jetzt, pro­bier’ bit­te unbe­dingt in fei­ne Strei­fen geschnit­te­nen Endi­vi­en­sa­lat als Gemü­se­ein­la­ge. Kurz vor dem Ser­vie­ren unter­ge­rührt behält das ver­gleichs­wei­se fes­te Grün­zeug sei­ne Kna­ckig­keit und passt durch die leich­te Bit­ter­no­te wirk­lich sowas von per­fekt zu den süß­lich-erdi­gen Bohnen.

Unsere Kniffe

Wie du weißt, ste­hen wir auf Schär­fe und auf Uma­mi. Des­halb kommt eine Pri­se Chi­lif­locken ans Soff­ritto – das ist jetzt nicht so unge­wöhn­lich – und ein guter Löf­fel voll dunk­ler Miso­pa­ste – das wäre eher unge­wöhn­lich. Die Pas­te ersetzt jedoch nur die Par­me­san­rin­de, die häu­fig in unve­ga­nen Rezep­ten mit im Topf schwim­men darf und so jede Men­ge Uma­mi abgibt. Also, kei­ne Dis­kus­si­on, Miso ist in Ord­nung. Abge­se­hen von wei­te­ren, ganz klas­si­schen Gewür­zen wie Lor­beer, Ore­ga­no und Thy­mi­an kom­men bei unse­rem Rezept außer­dem noch gemör­ser­te Fen­chel­sa­men dazu. Und Tabas­co als Finis­her, um der Pas­ta Fazool alle Ehre zu machen.

Du weißt, was zu tun ist. Dean Mar­tin auf die Boxen und loskochen!

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Zutaten für Pasta e fagioli
Zuta­ten für 4 Por­tio­nen

Pasta e fagioli – das bohnigste Pastagericht überhaupt

Vor­be­rei­tung 5 Minu­ten
Zube­rei­tung 25 Minu­ten
Gesamt 30 Minu­ten

Zum Servieren

  1. Für das Soff­ri­to Karot­te, Zwie­bel, Sel­le­rie und Knob­lauch sehr fein wür­feln oder im Food Pro­ces­sor fein hacken. Oli­ven­öl in einen hei­ßen Topf geben, das gehack­te Gemü­se zusam­men mit 1/2 TL Salz 8 Minu­ten bei nied­ri­ger bis mitt­le­rer Hit­ze sanft braten.

  2. Toma­ten­mark und Chi­lif­locken dazu­ge­ben und kurz unter Rüh­ren kara­mel­li­sie­ren las­sen. Anschlie­ßend Boh­nen zusam­men mit dem Aquafa­ba, gehack­te Toma­ten und Was­ser dazu­ge­ben, mit Ore­ga­no, Thy­mi­an, Fen­chel­sa­men wür­zen, Lor­beer­blät­ter dazu­ge­ben, auf­ko­chen und 5 Minu­ten köcheln lassen.

  3. Pas­ta dazu­ge­ben, Miso­pa­ste unter­rüh­ren und etwa 8 Minu­ten köcheln las­sen, bis die Nudeln al den­te sind und die Sau­ce eine dicke, cre­mi­ge Kon­sis­tenz hat. Endi­vi­en­sa­lat in etwa 5 mm brei­te Strei­fen schnei­den, unter die Pas­ta heben und wei­te­re 2 Minu­ten zie­hen lassen.
  4. Mit Salz, Pfef­fer und Tabas­co abschme­cken und mit vega­nem Par­me­san getoppt servieren.

Unsere Tipps

Ver­wen­dest du getrock­ne­te Boh­nen, musst du die­se auf jeden Fall vor­her über Nacht ein­wei­chen. Bis Schritt 2 gehst du dann nach Rezept vor, gibst statt dem Aquafa­ba zusätz­lich 300 ml Was­ser dazu und kochst ca. 200 g getrock­ne­te Boh­nen in der bereits gewürz­ten Brü­he mit auf­ge­leg­tem Deckel bei mitt­le­rer Hit­ze etwa 45–60 Minu­ten. Dann geht es nach Rezept wei­ter, unter Umstän­den musst du etwas Was­ser nachgießen.

Pasta e fagioli

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Steady

Vegan seit zwanzig-null-sechs. Liebt es, zu kochen, guten Kaffee, Chilis in allen Formen und Farben, Kameras und Objektive – hofft dabei, dass er das ganze Zeug auch zumindest einigermaßen angemessen bedienen kann –, hat nie genügend Messer, sitzt gerne auf dem Mountainbike und hört dabei Metal.


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  1. Ihr Lie­ben,
    vie­len Dank für die­ses groß­ar­ti­ge Rezept. Es war so voll­mun­dig, Uma­miesk (:D) und See­len­wär­mend. Ich habe seit Lan­gem nicht mehr so ein wun­der­ba­res Pas­ta­ge­richt geges­sen, beson­ders die Fen­chel­sa­men haben das Gan­ze toll ergänzt. Ich habe dazu Orchi­et­te geges­sen – kann Ich nur wärms­tens empfehlen.
    Dan­ke für eure tol­le Arbeit, Ihr macht das Vegan­sein zu einer noch bes­se­ren Entscheidung.
    Lisa

  2. Unser neu­es liebs­tes One­Pot-Din­ner für kal­te Tage. Schon 2 mal (immer die dop­pel­te Men­ge 😉 ) gekocht, ein­mal mit Endi­vie, ein­mal mit Fri­sée, für die Kin­der vor­her die Por­tio­nen raus genom­men. Die Gäs­te waren auch begeis­tert. Super cre­mig, zum rein­knien! Und wie­der ein Rezept von euch ins Stan­dard-Reper­toire auf­ge­nom­men. Danke!

  3. Hal­lo Jörg und Nadine !
    Das Rezept schaut echt cool aus und ich wür­de es die Tage ger­ne nach­ko­chen mit getrock­ne­ten Boh­nen. Wie viel Gram soll­te ich da ca ver­wen­den ? Weil 450g sind ver­mut­lich viel zu viel, wenn sich die dann noch mit Was­ser vollsaugen.
    Falls ihr da einen Tipp habt freu ich mich.

    Ganz lie­be Grüße

    1. Hey!

      Die Boh­nen ver­dop­peln ihr Gewicht und das Volu­men in etwa, mit 200 g getrock­ne­ten Boh­nen dürf­test du gut hinkommen. 🙂

      Lie­be Grüße
      Jörg

      1. Habs jetzt end­lich mit getrock­ne­ten Boh­nen nach­ge­kocht und kann mein Resü­me dazu abgeben.
        Hab gleich mal über­le­sen, dass ich die Boh­nen ein­wei­chen soll­te, des­halb waren sie dann so wie bei euch beschrie­ben 30–35min im Druck­koch­topf. das hat super funk­tio­niert. Für die Nudeln wars dann zu wenig Flüs­sig­keit also hab ich noch was von den Dosen­to­ma­ten dazugleert.
        Es hat uns allen sooo gut geschmeckt. Ich habs noch mit Tabas­co für mich ver­fei­nert und es war soo stim­mig und gut. und sehr sät­ti­gend. also sonst essen wir eure 4 Por­tio­nen locker zam, jetzt ist noch was über für heute.

        dan­ke für tol­le Anlei­tung mit getrock­ne­ten Bohnen.

      2. Dan­ke für das Feed­back. Mit den getrock­ne­ten Boh­nen wird das Gan­ze ein­fach noch­mal ein klei­nes Biss­chen „run­der“.

  4. Zuerst ein­mal alle guten Wün­sche zum neu­en Jahr!! Möge es füer uns alle eines mit vie­len posi­ti­ven Momen­ten wer­den. Es fängt schon gut an: Sooo mega­l­e­cker – you made my day!! In Erman­ge­lung von Endi­vi­en habe ich Blatt­spi­nat aus dem Frost genom­men – passt.
    Vie­len lie­ben Dank für eure tol­len Rezep­te und Anre­gun­gen – ich gehe davon aus, dass die Ideen auch in die­sem Jahr nur so sprudeln!
    Lie­be Grü­ße aus Leipzig

    1. Dan­ke dir! Zum Begriff „Soul Food“ müs­sen wir dem­nächst etwas Genaue­res schrei­ben, der Begriff hat sich gera­de hier­zu­lan­de für eine Art von Essen ein­ge­bür­gert, der nicht so ganz dazu passt. Soul Food bezeich­net eigent­lich die afro­ame­ri­ka­ni­sche Küche und deren Kul­tur, das soll­ten wir auch in DE berück­sich­ti­gen (und ja, auch wir haben die­sen Feh­ler bereits in der Ver­gan­gen­heit gemacht). Bes­ser wäre Com­fort Food. 🙂

      Lie­be Grüße
      Jörg

      1. Sehr gei­les Rezept, war super lecker und wird defi­ni­tiv noch öfter gekocht! 😍

  5. Das Gericht erin­nert mich an eine Sup­pe, die mei­ne Mut­ter immer in der kal­ten Jah­res­zeit oft gekocht hat. Eine trür­ki­sche Sup­pe mit selbst­ge­mach­ten Faden­nu­deln und Lin­sen + Kicher­erb­sen. Ich habe mal ein Rezept auf Deutsch gefunden
    https://​gru​en​stein​kit​chen​.blog​spot​.com/​2​0​1​9​/​0​5​/​e​r​i​s​t​e​l​i​-​m​e​r​c​i​m​e​k​-​c​o​r​b​a​s​i​.​h​tml
    Viel­leicht gefällt euch das auch 🙂 Ist qua­si tür­ki­sche All­tags­kü­che (die oft aus ein­fa­chen und meist vega­nen Gerich­ten besteht).
    Die­sen Ein­topf wird es direkt mor­gen mit tür­ki­schen Faden­nu­deln geben. Sieht köst­lich aus!

    Vie­le Grüße 

    Han­nah

    1. Vom Prin­zip her sehr ähn­lich, da hast du recht. Mit der tür­ki­schen Küche müs­sen wir uns end­lich mehr beschäf­ti­gen. Gibt so eini­ge Lieb­lings­ge­rich­te, an denen wir uns end­lich mal selbst ver­su­chen wollen. 🙂

  6. Hey, das klingt super gut. Nur lei­der fin­de ich im Rezept nicht, wann das Aquafa­ba hin­zu gefügt wer­den soll.
    Dan­ke schon mal für die Aufklärung 😉