Vegane Pasta alla Norma

Vegane Pasta alla Norma
Direkt zum Rezept →

Ach­tung, hier kom­men Nudeln, die eine wah­re Opern­arie auf dei­ner Zun­ge ver­an­stal­ten wer­den. Wir kochen heu­te den sizi­lia­ni­schen Klas­si­ker – vega­ne Pas­ta alla Norma.

Nein, die Sache mit der Oper habe ich mir nicht aus mei­nen manch­mal mehr, manch­mal auch zuge­ge­be­ner­ma­ßen weni­ger fan­ta­sie­vol­len Fin­gern gesaugt. Das viel­leicht bekann­tes­te sizi­lia­ni­sche Nudel­ge­richt aller Zei­ten erhielt sei­nen Namen von der 1831 urauf­ge­führ­ten tra­gi­schen Oper „Nor­ma“ von Vin­cen­co Bel­li­ni. Genau­er gesagt von der Titel­hel­din, die den­sel­ben Namen trägt. Wuss­test du nicht? Dann gib mir einen Kul­tur­ba­nau­sen-High-Five, ich näm­lich auch nicht – alles, was ich dies­be­züg­lich wie­der­ge­be, hat mir das Inter­net auf Nach­fra­ge mei­ner­seits beigebracht.

Den dort zu lesen­den Legen­den nach hat die Oper die Men­schen noch bis ins 19. Jahr­hun­dert sowas von der­ma­ßen aus den Socken geho­ben, dass der Aus­spruch „una vera Nor­ma“ gera­de in Sizi­li­en als Syn­onym für „über­aus geil“ in den all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch über­ging. Und da allein schon das Kon­zept, Pas­ta in einer leicht ein­ge­dick­ten, fruch­ti­gen Toma­ten­sauce zu wen­den und sie mit saf­ti­gen, bei­na­he flei­schi­gen, in gutem Oli­ven­öl gebra­te­nen Auber­gi­nen zu ser­vie­ren „über­aus geil“ klingt, wur­de nicht lan­ge gefa­ckelt, kurz mit einem Anflug von Auf­bruch­stim­mung auf die Ober­schen­kel geklopft, laut „So!“ gesagt und die Nudel-Auber­gi­nen-Kom­bi­na­ti­on ein­fach nach Bel­li­nis Meis­ter­werk benannt. Ob er das so „nor­ma“ fand, weiß man nicht, zumin­dest offi­zi­ell dürf­te er das Nudel­ge­richt nie pro­biert haben, er biss recht früh­zei­tig und ich ver­mu­te mal weni­ger genüss­lich vor­her ins Gras.

Der Tel­ler vol­ler Pas­ta alla Nor­ma erzählt übri­gens nicht nur im über­tra­ge­nen, son­dern tat­säch­lich auch noch im wört­li­chen Sin­ne eine Geschich­te. Die Kom­bi­na­ti­on aus der „wei­ßen“ oder zumin­dest hel­len Pas­ta, der roten Toma­ten­sauce und dem Grün des fri­schen Basi­li­kums sym­bo­li­siert – wie kann es anders sein? – die il tri­co­lo­re, also die ita­lie­ni­sche Flag­ge. Die schwar­ze Scha­le der Auber­gi­nen und der wei­ße Ricot­ta Sala­ta, eine gereif­te, fes­te­re Art vom bekann­ten ita­lie­ni­schen Frisch­kä­se, die schnee­be­deck­ten Hän­ge des Vul­kans Ätna. Ich sag’s mal so, hät­te der Erd­kun­de­un­ter­richt damals immer so aus­ge­se­hen, hät­te ich heu­te weni­ger Pro­ble­me mit mei­ner Ori­en­tie­rung. Dan­ke, Schulsystem!

Vegane Pasta alla Norma

So bereiten wir die sizilianische Pasta mit Auberginen zu

Im Ori­gi­nal­re­zept wer­den die Auber­gi­nen frit­tiert. Wir alle wis­sen es, es geht ein­fach wenig über frit­tier­te Auber­gi­nen. Was wir aller­dings auch alle wis­sen ist, dass Frit­tie­ren im All­tag bei den meis­ten von uns weni­ger hoch im Kurs steht. Sei es nun aus rein prak­ti­schen Grün­den (die habe ich aller­dings hier zumin­dest zum Groß­teil wider­legt) oder auf­grund der Kalorienzählerei.

Glück­li­cher­wei­se haben wir über die Jah­re eini­ge Mög­lich­kei­ten ent­deckt, wie sich Auber­gi­nen auch ohne einen Topf vol­ler Öl auf Tem­pe­ra­tur zu brin­gen dazu über­re­den las­sen, oben bereits ange­teaser­te Aggre­gat­zu­stän­de ein­zu­neh­men. Saf­tig, knusp­rig, flei­schig – geht auch mit weni­ger Aufwand.

Dazu schnei­den wir die Früch­te – sie soll­ten sich recht fest anfüh­len, klei­ne­re Sor­ten bezie­hungs­wei­se Exem­pla­re sind per­fek­te geeig­net – in etwa zwei Zen­ti­me­ter gro­ße Wür­fel, ver­men­gen sie mit Salz und las­sen sie für etwa zehn bis fünf­zehn Minu­ten ste­hen. Kochst du schon län­ger mit uns mit, kennst du den Vor­gang bereits. Das Salz ent­zieht den Auber­gi­nen über­schüs­si­ge Feuch­tig­keit und bricht die Zell­struk­tur des Frucht­flei­sches auf, was wie­der­um dafür sorgt, dass die Auber­gi­nen schnel­ler garen und nicht zu viel Öl aufsaugen.

Nach der Salz­the­ra­pie wer­den die Wür­fel abge­wa­schen, gut tro­cken­ge­tupft und in etwas Spei­se­stär­ke gewen­det. Die­sen Trick haben wir von unse­rem Rezept für das japa­ni­sche Don­bu­ri über­nom­men. Die Spei­se­stär­ke geliert in der Pfan­ne, schützt so das Gemü­se vor dem Anbren­nen und bil­det wäh­rend des Bra­tens eine leicht knusp­ri­ge Kruste.

Das pas­siert im Ide­al­fall in bes­tem Oli­ven­öl. Wir alle ken­nen es, Ita­lie­ner ver­ste­hen bei der Qua­li­tät ihrer Zuta­ten kei­nen Spaß und Sizi­lia­ner noch weni­ger. Sie sind damit voll im Recht, denn bei der Pas­ta alla Nor­ma spielt das Oli­ven­öl eine gro­ße aro­ma­ti­sche Rol­le. Auch wenn wir nicht gleich die gan­ze Frit­teu­se damit fül­len, etwas weni­ger spar­sam darfst du damit schon umgehen.

Das Gemü­se soll­te nun bei nied­ri­ger bis mitt­le­rer Hit­ze gebra­ten wer­den. Wir möch­ten das Äuße­re leicht knusp­rig und gold­braun haben, das Frucht­fleisch soll jedoch auf der Zun­ge zer­ge­hen. Dafür ist es wich­tig, dass die Hit­ze lang­sam ins Inne­re vor­drin­gen kann. Etwa zehn Minu­ten soll­test du den Auber­gi­nen geben und dabei nur sel­ten wen­den, damit sich eine Krus­te bil­den kann. Anschlie­ßend nimmst du sie aus der Pfan­ne, lässt dabei aber über­schüs­si­ges Öl gut abtrop­fen, das benö­ti­gen wir noch…

Zubereitung vegane Pasta alla Norma

…und zwar für die Sau­ce, die ein­fa­cher kaum sein könn­te. In feins­te Wür­fel geschnit­te­ne Zwie­beln und Knob­lauch wer­den leicht kara­mel­li­siert, dann kommt Toma­ten­mark dazu, wel­ches eben­falls kurz ange­rös­tet wird, bis es eine etwas dunk­le­re Far­be annimmt. Wie ich schon in unse­rem Bei­trag zur bes­ten vega­nen Piz­za beschrie­ben habe, geht kaum etwas über gute San-Mar­za­no-Toma­ten aus der Dose – zumin­dest, sofern du nicht gera­de selbst eine San-Mar­za­no-Plan­ta­ge im Gar­ten hast und das wage ich zu bezwei­feln. Die geschäl­ten Toma­ten wer­den grob zer­drückt und kom­men anschlie­ßend zusam­men mit den Stie­len des Basi­li­kums mit in die Pfan­ne – in denen steckt näm­lich auch eine Men­ge Aro­ma. Gewürzt wird mit einem Hauch Chi­lif­locken und Salz.

Wäh­rend du die Sau­ce vor­be­rei­test, kann auch die Pas­ta ihr Bad im Salz­was­ser neh­men. Klas­sisch sind kur­ze Nudel­for­men. In klei­ne Stü­cke gebro­che­ne Mac­che­ro­ni wäre die OG-Form, behaup­tet manch eine Quel­le. Riga­to­ni oder Tor­til­lo­ni gefal­len uns für unse­re vega­ne Pas­ta alla Nor­ma optisch am bes­ten (das fiel uns auf, nach­dem wir das Gericht mit Mac­che­ro­ni gekocht und foto­gra­fiert haben, wie du am Zuta­ten­bild siehst), außer­dem hel­fen die Ril­len an den Außen­sei­ten dabei, mit jeder Nudel noch ein „My“ mehr Sau­ce in den Mund zu beför­dern. Es geht hier um Details!

Vegane Pasta alla Norma

Kurz, bevor die Nudeln al den­te sind, kom­men die Auber­gi­nen wie­der in die Sau­ce, dann schöpfst du eine gute Kel­le vom Nudel­was­ser ab und hebst auch die abge­gos­se­ne Pas­ta unter das Toma­ten-Auber­gi­nen-Ragout. Mit erwähn­tem Nudel­was­ser wird die Sau­ce so weit gestreckt, dass sie fast ein wenig zu wäss­rig wirkt, schme­cken bei Bedarf mit Salz ab und rich­ten die Opern-Pas­ta an. Um die schnee­be­deck­ten Hügel zu simu­lie­ren, ver­wen­den wir den mit ordent­lich Salz gewürz­ten Man­del-Tres­ter, der bei der Her­stel­lung unse­res selbst­ge­mach­ten vega­nen Ricot­ta oder übrig bleibt oder den Ricot­ta selbst. Grob gezupf­ter Basi­li­kum darf als Top­ping nicht feh­len, um die Tri­ko­lo­re zu ver­voll­stän­di­gen, dann darf los­ge­ga­belt werden!

Ja, okay, ich glau­be, die „Nor­ma“ über­neh­me ich jetzt auch in mei­nen Wort­schatz für Super­la­ti­ven. Ganz schön nor­ma, die­se Pasta!

Kann ich die vegane Pasta alla Norma auch…

  • …mit einem ande­ren Käse zube­rei­ten? Klar, wir kön­nen nicht davon aus­ge­hen, dass du DIY-Käse und bei der Her­stel­lung anfal­len­de Neben­pro­duk­te immer bei aku­tes­tem Pasta­hun­ger im Kühl­schrank hast. Du kannst also mit gekauf­tem vega­nem Frisch­kä­se und even­tu­ell vega­nem Feta als Top­ping schummeln.
  • …mit ande­ren Nudeln zube­rei­ten? Wie schon erwähnt, Mac­che­ro­ni sind schein­bar die ori­gi­na­le Pasta­form. Kur­ze Nudeln pas­sen alle per­fekt, man fin­det aber auch häu­fig Spa­ghet­ti alla Nor­ma auf Spei­se­kar­ten, schein­bar fin­den das Sizi­lia­ner nicht so prall, aber was wills­te machen.
  • …mit Pas­sa­ta statt geschäl­ten Toma­ten zube­rei­ten? Tat­säch­lich lebt die Sau­ce so ein wenig von der Stü­ckig­keit. Davon, wie die gro­ßen Riga­to­ni per­fekt mit den Auber­gi­nen­wür­feln und den grob zer­teil­ten Toma­ten har­mo­nie­ren. Aber klar, not­falls funk­tio­niert das Rezept auch mit fein pürier­ter Passata.
Zuta­ten für 2 Por­tio­nen

Vegane Pasta alla Norma

Vor­be­rei­tung 10 Minu­ten
Zube­rei­tung 15 Minu­ten
Gesamt 25 Minu­ten
  1. Auber­gi­ne in etwa 2 cm gro­ße Wür­fel schnei­den, in einer Schüs­sel mit 2 TL Salz ver­men­gen und 10–15 Minu­ten ste­hen las­sen. Anschlie­ßend unter flie­ßen­dem Was­ser abspü­len, gut mit einem Küchen­tuch abtrock­nen und mit Spei­se­stär­ke vermengen.
    Auberginen mit Speisestärke
  2. Öl in eine hei­ße Pfan­ne geben, Auber­gi­nen­wür­fel 7–10 Minu­ten bei mitt­le­rer Hit­ze gold­braun bra­ten. Wäh­rend­des­sen Zwie­bel und Knob­lauch fein würfeln.

    Auberginen anbraten
  3. Auber­gi­nen aus der Pfan­ne neh­men, Öl dabei gut abtrop­fen las­sen. Pfan­ne zurück auf den Herd stel­len, Zwie­bel und Knob­lauch 2 Minu­ten unter Rüh­ren anschwit­zen. Toma­ten­mark und Chi­lif­locken dazu­ge­ben und wei­te­re 2 Minu­ten rös­ten. Mit geschäl­ten Toma­ten ablö­schen, mit dem rest­li­chen Salz und Aga­ven­dick­saft abschme­cken, die Basi­li­kum­stie­le mit dazu­ge­ben und bei nied­ri­ger Hit­ze ein­kö­cheln lassen.

    Zubereitung vegane Pasta alla Norma
  4. Riga­to­ni in Salz­was­ser 12 Minu­ten „kurz vor al den­te“ kochen. Anschlie­ßend abgie­ßen, dabei etwa 200 ml Koch­was­ser auffangen.
  5. Auber­gi­nen, Nudeln und etwas vom Pasta­was­ser zur Toma­ten­sauce geben und 2 Minu­ten köcheln las­sen. Bei Bedarf mit mehr Pasta­was­ser verdünnen.
    Zubereitung vegane Pasta alla Norma
  6. Pas­ta auf Tel­ler ver­tei­len und mit vega­nem Ricot­ta und gezupf­ten Basi­likum­blät­tern toppen.

Vegane Pasta alla Norma

Unterstütze uns

Für diesen Post haben wir keinen Sponsoren. Aber auch du kannst uns unterstützen und uns dabei helfen, dieses kleine Business aus Herzblut und viel Liebe zum Essen am Laufen zu halten. Was sagst du? Hast du Lust auf viele weitere Küchenabenteuer mit uns? Dann komm in die „Sriracha-Gang“ auf Steady.

Steady

Vegan seit zwanzig-null-sechs. Liebt es, zu kochen, guten Kaffee, Chilis in allen Formen und Farben, Kameras und Objektive – hofft dabei, dass er das ganze Zeug auch zumindest einigermaßen angemessen bedienen kann –, hat nie genügend Messer, sitzt gerne auf dem Mountainbike und hört dabei Metal.


Gib deinen Senf dazu!

  1. Ich ver­fol­ge Euren Blog schon seit bald 2 Jah­ren und koche immer wie­der etwas und ich bin jedes­mal begeis­tert! Auch die­se Rezept hat mich nicht ent­täuscht und es war unglaub­lich lecker, obwohl die Zube­rei­tung in die Zuta­ten recht sim­pel waren. Alles hat wun­der­schön zusam­men­ge­passt und ich woll­te ein­fach ein gros­ses Dan­ke­schön hin­ter­las­sen für Eure lie­be­vol­len und durch­dach­ten Rezep­te. Ihr bringt mir und mei­ner Umge­bung rie­si­ge Freu­de mit Euren Rezepten!

  2. Ist es denn nun Aga­ven­dick­saft oder Ahornsirup ;-)?
    Gera­de mit Ahorn­si­rup nach­ge­kocht, wirk­lich sehr sehr lecker und einfach!