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Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck

Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck
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So richtig authentisch ist sie vielleicht nicht, trotzdem hat unsere vegane Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck alles, was eine ordentliche Carbonara braucht: Cremigkeit, Balance, Aroma und richtig viel Umami.

Diese „alla Carbonara“ mit Sahne, Schinkenwürfeln und teilweise sogar mit Erbsen, die auch meine Mutter früher nach einem langen Arbeitstag hin und wieder direkt aus dem Tetra Pak in den Topf gepresst und über die in der Tupperbox (ja, ernsthaft) gegarten Spaghetti gekippt hat, ist eigentlich eine sehr un-italienische Erfindung.

Eine echte™ Carbonara – der Legende nach übrigens das Gericht der Carbonari, also der Kohlenhändler – besteht aus Ei und Käse. Beides zusammen „verkläppert“ ergibt beim Erwärmen eine Emulsion. Und da nur dieser Vorgang der Sauce ihre Cremigkeit verschafft, gibt es eine wirklich authentische vegane Carbonara definitionsgemäß nicht. Aber hey, wenn wir uns erst gar nicht an irgendwelche Regeln halten können, müssen wir das auch nicht und haben so die Freiheit, ein traditionelles Rezept gleich mehrfach rein pflanzlich aufs Äußerste zu „verhunzen“.

Unser vegane Carbonara mit Kürbis-Ei ist eines unserer, aber auch eurer Lieblingsrezepte. Allerdings braucht es ein bisschen, um den Hokkaido zusammen mit Tapiokastärke in etwas zu verwandeln, was Ei-Dotter ähnelt und auch so schmeckt. Wenn das Zeit-Konto nach Feierabend eher in Richtung der erwähnten Convenience-Lösung zeigt, ist das Rezept, so lecker es auch ist, auch für uns indiskutabel. Deshalb haben wir uns schon seit Längerem eine vegane Carbonara gewünscht, die etwas schneller geht.

Zugegeben, zusätzliches Kochgeschirr müssen wir auch für unsere vegane Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck einsauen. Der Teller Nudeln mit cremiger Sauce steht trotzdem in unter 20 Minuten auf dem Tisch … und schmeckt außerdem um einiges besser, als das Zeug aus dem Beutel (gibt’s das mittlerweile überhaupt „in vegan“?).

Zutaten für vegane Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck

Wie man unsere vegane Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck macht

Tempeh ist so ein unfassbar wandelbares Lebensmittel. In einer aromatischen, salzig-rauchigen Marinade eingelegt und geröstet lässt er sich auch in etwas verwandeln, was veganem Guanciale, dem klassischen Carbonara-Speck ähnelt. Dazu nehmen wir das Grundrezept für unseren Reispapier-Bacon her, können das aber etwas vereinfachen. Tempeh als fermentiertes Sojaprodukt bringt selbst schon einiges an Umami und Geschmack mit.

Für die Marinade verwenden wir …

  • … Sojasauce
  • … ein neutrales Öl, wie beispielsweise Raps- oder Erdnussöl
  • … Liquid Smoke für etwas Raucharoma
  • … Zuckerrübensirup für die Farbe und wegen des malzigen Geschmacks
  • … einen Schuss Apfelessig
  • … und Standardgewürze wie Paprika- und Knoblauchpulver

Der klein gewürfelte Tempeh wird darin gewendet, kommt dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech und anschließend in den Ofen, um ihn goldbraun zu rösten. Den Ofen leer vorzuheizen und so Energie zu verschwenden ist dabei übrigens nicht nötig.

Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck

Ab an die vegane Carbonara

Als Basiszutat für unsere Miso-Carbonara verwenden wir Aquafaba, also die Koch- oder Einlegeflüssigkeit von Hülsenfrüchten, welche beispielsweise auch in unserem Kichererbsen-Omelette als Ei-Ersatz zum Einsatz kommt. Die darin gelösten Proteine und Stärke sorgt dafür, dass sich unsere Sauce gut an der Pasta festhalten kann. Außerdem pürieren wir ein paar der gekochten weißen Bohnen mit hinein, denen wir das Aquafaba überhaupt erst entwendet haben.

Für Geschmack und ordentlich Umami sorgt Misopaste. Für die Miso-Carbonara verwenden wir Shiro Miso, also eine helle Paste. Die färbt nicht, ist etwas weniger salzig, schmeckt mild-süßlich und passt so perfekt als Ersatz für den Ei-Dotter. Zusätzlich kommen Hefeflocken und selbstverständlich Kala Namak, das Schwefelsalz mit dem unverkennbaren Ei-Aroma, mit in den Mixer.

Die Saucenbasis geben wir zu in Olivenöl angeschwitzen Schalotten und Knoblauch – übrigens auch zwei Zutaten, die in der echten™ Carbonara eigentlich nichts verloren haben. Die al dente gekochte Pasta – wir haben Spaghettoni verwendet – kommt zusammen mit etwas vom stärkehaltigen Kochwasser direkt mit in die Pfanne. Dann wird vorsichtig gerührt, bis die Sauce leicht andickt, schön sämig wird und die Nudeln gleichmäßig damit umhüllt sind.

Wie es sich auch für eine gute vegane Carbonara gehört, wird kurz vor dem Servieren mit viel schwarzem Pfeffer gewürzt und jetzt bitte nicht den Tempeh-Speck vergessen, von dem ihr ohnehin schon die Hälfte direkt vom Blech weggeatmet habt! Buon appetito.


Für2 Portionen

Vegane Miso Carbonara mit Tempeh-Speck

Zubereitungszeit 20 Minuten
Zeit, um den Tempeh-Speck zu rösten 10 Minuten
Gesamtzeit 30 Minuten

Für den Tempeh-Speck

Für die vegane Miso-Carbonara

Für den Tempeh-Speck

  • Tempeh in etwa ½ cm große Würfel schneiden. Die übrigen Zutaten für die Marinade in einer Schüssel miteinander verrühren, die Tempeh-Würfel hineingeben und gut vermengen. Wenn möglich, über Nacht marinieren lassen.
    200 g Tempeh, 4 EL Sojasauce, 3 EL Rapsöl, ½ EL Apfelessig, 2 TL Zuckerrübensirup, ½ TL Liquid Smoke, 3 TL Paprikapulver, 1 TL Knoblauchpulver
  • Tempehwürfel auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und bei 200 °C Ober-/Unterhitze 10 Minuten rösten. Vorheizen ist nicht unbedingt nötig, die Backzeit verlängert sich aber je nach Ofen um etwa 5–7 Minuten.

Für die vegane Miso-Carbonara

  • Pasta nach Packungsanweisung in etwas vorsichtiger gesalzenem Wasser (die übrigen Zutaten sind schon recht salzig) al dente kochen. Wir verwenden Spaghettoni, welche etwa 11 Minuten benötigen.
    250 g Spaghettoni
  • Schalotten und Knoblauch fein würfeln. Olivenöl in eine heiße Pfanne geben, Schalotten und Knoblauch bei niedriger bis mittlerer Hitze 2–3 Minuten anschwitzen.
    2 Schalotten, 3 Zehen Knoblauch, 2 EL Olivenöl
  • Währenddessen Aquafaba mit Bohnen, Misopaste, Hefeflocken, der Hälfte vom Kala Namak und 100 ml vom Nudelkochwasser fein pürieren. Mit in die Pfanne geben und bei mittlerer Hitze unterrühren.
    150 g Aquafaba, 125 g gekochte weiße Bohnen, 3 EL helle Misopaste, 1 EL Hefeflocken, ¾ TL Kala Namak
  • Gegarte Pasta tropfnass dazugeben und unterheben. Die Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze schwenken, bis die Sauce sämig ist und die Nudeln gleichmäßig bedeckt.
  • Mit dem restlichen Kala Namak abschmecken und mit Pfeffer würzen. Die Hälfte vom Tempeh-Speck unterheben, auf Teller verteilen und mit dem übrigen Tempeh-Speck toppen.
    2 TL schwarzer Pfeffer, ¾ TL Kala Namak

Miso-Carbonara mit Tempeh-Speck

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Die nerdige Hälfte von Eat this! Liebt es, auch aufwändiger zu kochen und ist deshalb vermutlich für die langen Rezepte auf dem Blog verantwortlich. Kann nie genügend Kochmesser haben und liebt Chilis in allen Formen und Farben. In der Freizeit sitzt er gerne auf dem Fahrrad und hört dabei Metal.


13 Kommentare

Gib deinen Senf dazu

  1. Ich weiß nicht, ob das schon jemand unter der Kürbis-Carbonara kommentiert hat (habe die Miso-Variante hier noch nicht probiert, aber die mit Kürbis ist fast unschlagbar) – als Abkürzung habe ich da zuletzt oft einfach Kürbispüree aus dem Glas verwendet, geht super schnell und ist soo gut!

  2. Die Tempehwürfel marinieren gerade. Wir kochen das Rezept nun zum dritten Mal und ich freue mich riesig. Und wie du schreibst, muss man immer aufpassen, dass die Tempehwürfel nicht schon vorm Servieren weggesnackt wurden, weil sie so lecker sind.

    1. Das freut uns sehr liebe Meike! Und ja, die sind schneller weg als man bis drei zählen kann – müssen wir hier auch immer aufpassen! 😅

      Liebe Grüße
      Nadine

  3. Hi, auch dieses Rezept haben wir vor zwei Wochen endlich nachgekocht, wenn auch nur teilweise (veganen Speck haben wir fertig gekauft). War super lecker, vielen Dank für diese schnelle Alternative zur Kürbis-Carbonara (die wir auch sehr mögen!!).

    1. Wie schön, wir hatten uns schon ein bisschen gewundert, dass die Miso-Carbonara überhaupt nicht so eingeschagen ist, wie die Kürbis-Carbonara. Aber dann auch wieder klar: Kürbis! 🤷🏻‍♀️😅

  4. Herrlich, mal wieder eine interessante Carbonara-Variante. Liest sich toll und wird am Wochenende ausprobiert.

    Eine Inspiration von mir: Um die sämige, emulgierende, fettige Eigenschaft von Eigelb zu ersetzen habe ich bisher gerne Mandelmus verwendet. Hat dem Gericht gut getan und ist vielleicht auch hier eine Ergänzung.

    1. Hallo lieber Jonas,

      viel Spaß beim Nachkochen. Das Mandelmus probieren wir beim nächsten Mal auf jeden Fall aus. Eventuell wäre Cashewmus sogar noch besser, das hat noch einen etwas dezenteren Geschmack.

      Lass uns wissen, wie es dir geschmeckt hat. 🙂

      Liebe Grüße
      Jörg

      1. Hi Jörg,

        gute Idee, mit dem Cashewmus. Für uns war Mandelmus lange Zeit das „universelle Nussmus“, bis wir realiert haben, dass diverse Nussmuse ihre Daseinsberechtigung haben und ganz unterschiedlich eingesetzt werden können. Mein Lieblinsmus aktuell: Kürbiskernmus. <3

        Liebe Grüße
        Jonas

      2. Auf jeden Fall, wir haben immer den Eindruck, als wären die unterschiedlichen Aromen der Kerne und Nüsse in Musform regelrecht verstärkt. Kürbiskernmus klingt lecker, das haben wir noch gar nicht probiert. Muss nachgeholt werden! Danke für den Tipp.

        Liebe Grüße
        Jörg