Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato

Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato
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„Entschuldigen Sie bitte, haben sie etwas getrunken?“ „Tja, also technisch gesehen eigentlich nicht…“ Unsere Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato werden direkt im Vino gekocht und so eigenartig sich das auch anhören mag, es schmeckt einfach richtig.

Italiener lieben ihre Pasta, Italiener lieben ihren Wein. Häufig kippen sie letzteren sogar in die Saucen, die erstere begleiten. Die ultimative Love Story zwischen Nudeln und dem Traubensaft für Erwachsene spielt sich aber ganz anders ab.

Wer weiß, ob die Idee im Kopfe eines absoluten Genies entstanden ist oder so auf deepe Nachdenkliche Sprüche mit Bilder-Manier („Man gieße den Rotwein in den Koch“ und so. Ha ha … ha … lustig). Aber irgendjemand, vermutlich in Florenz, vielleicht in der Küche der Osteria de‘ Benci, deren offizielles Rezept im Saveur-Magazin veröffentlicht wurde, kam offenbar mal auf die Idee, erst gar keinen Aufwand um eine Sauce zu machen, in die dann ein Schluck Wein wandert, sondern das Nudelwasser einfach direkt durch Vino zu ersetzen und damit Rotwein-Spaghetti zu erfinden.

Ja, das klingt eigenartig. Und zwar ernsthaft noch bis zum Anrichten, vielleicht sogar noch bis zum Servieren, obwohl die schon ganz schön schicke Färbung der „beschickerten“ Nudeln, wie die Spaghetti all’Ubriaco frei nach mir übersetzt heißen, ja irgendwie schon einen etwas besondereren Genuss (vielleicht zum Valentinstags-Dinner? wink wink) versprechen. Aber ja, das Zeug ist gut. So gut, dass du statt des leeren Weinglas den Teller heben wirst in der Hoffnung darauf, dass dir irgendjemand nachschenkt, äh, ‑nudelt.

Und nein, keine Sorge, die leeren Teller wirst du nicht nur noch torkelnd zurück in die Küche befördern können, auch wenn für zwei Personen ein großer Teil einer Buddel draufgeht. Ja, es ist ein Mythos, das Alkohol beim Kochen komplett harmlos wird, also geht es heute nicht um kindgerechtes Essen, auch wenn es „bunt“ ist – das wären dann eher unsere Rote-Bete-Nudeln. Den Wein lassen wir in unserem Rezept dennoch insgesamt etwa 15 Minuten köcheln, Versuchen nach verbleiben dann nur noch etwa 50 % des ursprünglichen Alkoholgehalts im Essen. Keine Sorge also, du wirst deinem Valentinstags-Date nicht direkt mit dem Kopf auf dem Tisch wegpennen … zumindest nicht direkt nach dem Essen und wenn, dann nur wegen den lahmen Gesprächsthemen.

Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato

Tipps und Tricks zu unseren Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato

Sprechen wir als erstes über die Weinauswahl. Gib dafür nicht zu viel aus. Solange der – selbstverständlich vegane – Wein trinkbar ist, haben auch die Rotwein-Spaghetti nichts dagegen, darin zu schwimmen. Vino Sfuso wäre ideal, also Abfüllware der Weingüter, aber wir leben halt nicht in der Toskana. Die ist übrigens für Sangiovese und Chianti bekannt – das wären also ideale Sorten, wobei auch andere fruchtige, gefällige und nicht allzu furztrockene Weine mit möglichst tiefroter Farbe für die Optik absolut klar gehen.

Bei dieser Pasta ist es sozusagen ausnahmsweise okay, nicht die „guten“ Spaghetti aus der Bronzeform zu verwenden. Die leicht raue Oberfläche der getrockneten Pasta gibt schnell Stärke ab und macht die ganze Angelegenheit etwas klebrig. Standard-Supermarkt-Pasta ist hier perfekt.

Grundsätzlich handelt es sich bei den Spaghetti all’Ubriaco um eine Art Abwandlung der Aglio e Olio. Für die Basis wird also in dünne Scheiben geschnittener Knoblauch und eine Prise Chiliflocken in Olivenöl angeschwitzt. Weil wir können, geben wir ein paar gemahlene Fenchelsamen dazu, deren frisches Anis- und Süßholzaroma perfekt zum Wein passt.

Zutaten für Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato

Da schlussendlich das Ganze Gericht in einem Pott zusammenkommt – ja, unsere veganen Rotwein-Spaghetti sind perfektes One-Pot-Futter – solltest du eine weite Pfanne mit hohem Rand oder einen Bräter verwenden. Die Pasta wird zwar in vergleichsweise wenig Flüssigkeit gekocht, jedoch müssen die Spaghetti beim Garvorgang gut in Bewegung gehalten, also umgerührt werden, damit sie nicht aneinanderkleben bleiben und wer hat schon Lust darauf, nach der Datenight die ganze Küche schrubben zu müssen. Hast du keine Pfanne, in die die Spaghetti liegend passen, kannst du sie auch in der Mitte durchbrechen … allen #ItaliansMadAtFood bleibt dabei kurz das Herz stehen.

Um der purpurroten Pasta, welche übrigens in maximal 20 Minuten auf dem Tisch steht, noch mehr Klasse zu verpassen, als sie ohnehin schon hat, servieren wir sie mit einer veganen Kräuter-Nuss-Pangrattato. Dafür wird etwas altbackenes Brot zusammen mit Hasel- und Walnüssen fein gehackt – im Mixer, Food Processor oder eben per Hand – und in etwas Olivenöl goldbraun geröstet. Knoblauch, Thymian, Zitronenzesten sorgen für Geschmack, zum Schluss untergerührte gehackte Petersilie und Basilikum für Kräuterfrische. Das Pangrattato bereiten wir übrigens noch vor der Pasta zu – natürlich bleiben wir dem One-Pot-Thema treu –, es lässt sich aber auch sehr gut vorbereiten und hält sich gut verschlossen im Kühlschrank etwa drei bis vier Tage frisch. Mach’ also gleich mindestens die doppelte Menge.

Statt einem Klecks (veganer) Butter, wie es die florentinische Osteria vorgibt, geben wir als Finish einen kleinen Spritzer eines richtig guten Olivenöls an die Rotwein-Spaghetti, versuchen unser bestes, die schlüpfrigen Nudeln (hö hö) zumindest einigermaßen dekorativ auf den Teller zu bringen – am besten geht das mit Hilfe einer Schöpfkelle, in der die Pasta mit einer Zange, einer Gabel oder notfalls mit Essstäbchen zu einer halbwegs erkennbaren Spirale gedreht und dann auf den Teller geworfen wird –, toppen das Ganze mit Pangrattato und stoßen dann doch nur noch mit Gänsewein an. Es warten da noch zwei Portionen der Nudeln in der Küche, die Weinprobe ist heute sozusagen gegessen.

Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato
Zutaten für 2 Portionen

Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato

Zubereitung 20 Minuten
Gesamt 20 Minuten

Für das Pangrattato

Für die Rotwein-Spaghetti

Für das Pangrattato

  1. Brot grob würfeln und zusammen mit Hasel- und Walnüssen im Food Processor mittelfein hacken. Alternativ die Nüsse von Hand hacken, das Brot mit einer Gemüseraspel reiben.
  2. Öl in eine heiße Pfanne mit hohem Rand geben (die wird auch zur Zubereitung der Pasta verwendet) und die Brösel bei niedriger bis mittlerer Hitze 4–6 Minuten rösten. Pfanne vom Herd nehmen, vorher fein geriebenen oder fein gehackten Knoblauch, Thymian und Zitronenzesten unterrühren, mit Salz würzen, aus der Pfanne nehmen und fein gehackte Kräuter unterheben. Bis zur weiteren Verwendung beiseitestellen oder luftdicht verschlossen im Kühlschrank lagern.

Für die Rotwein-Spaghetti

  1. Während das Pangrattato röstet Knoblauch in feine Scheiben schneiden, Fenchelsamen mörsern. Öl in die heiße, kurz mit Wasser ausgespülte Pfanne mit hohem Rand geben, Knoblauch, Fenchelsamen und Chiliflocken bei niedriger bis mittlerer Hitze 2 Minuten anschwitzen, mit Salz würzen.

  2. Vorsichtig mit Rotwein ablöschen und 3–4 Minuten köcheln lassen. Misopaste mit 250 ml heißem Wasser verrühren.
  3. Spaghetti bei Bedarf in der Mitte durchbrechen und flach in die Pfanne legen. Etwa 10 Minuten bei mittlerer bis hoher Hitze kochen, dabei häufig und gut umrühren, damit die Nudeln nicht aneinander kleben. Wenn der Rotwein von den Nudeln aufgesogen wurde, nach und nach bei Bedarf die Misobrühe dazugeben.
  4. Pasta auf Tellern anrichten, mit Pangrattato und einem Spritzer gutem Olivenöl toppen und sofort servieren.

Unsere Tipps

  • Wenn die Nudeln beim Probieren etwas zu herb schmecken, kann die Sauce mit etwas Ahornsirup abgeschmeckt werden.
  • Dünne Spaghettini benötigen nur etwa die Hälfte der Kochzeit. Du kannst somit auch etwas weniger Rotwein und weniger Misobrühe verwenden. Machst du das Rezept zum ersten Mal, funktioniert es mit Spaghettini auch etwas einfacher.
Rotwein-Spaghetti mit Kräuter-Nuss-Pangrattato

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Steady

Vegan seit zwanzig-null-sechs. Liebt es, zu kochen, guten Kaffee, Chilis in allen Formen und Farben, Kameras und Objektive – hofft dabei, dass er das ganze Zeug auch zumindest einigermaßen angemessen bedienen kann –, hat nie genügend Messer, sitzt gerne auf dem Mountainbike und hört dabei Metal.


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  1. Guten Morgen!
    Nach Jahrzehnten mit beschichteten Alupfannen denke ich über eine Edelstahlpfanne nach.
    Die mit dem wabenartigen Boden, in der Ihr auf Insta die Spaghetti köchelt, hatte ich auch in der Hand…
    Bitte einen ganz kurzen Erfahrungsbericht der Pros und Contras!? 🙏
    Schöne Woche!

    1. Hi Caro,

      wir mögen die Pfanne sehr. Durch die erhabene Edelstahl-Struktur eignet sie besser als klassische beschichtete Pfanne besser zum scharfen Anbraten. Die dunklen Zwischenflächen sind aber ebenfalls beschichtet. Ein tatsächliches Contra könnte ich dir echt nicht nennen.

      Liebe Grüße
      Jörg

      1. Oh… doch mit Beschichtung 🤔
        Muss ich nochmal inspizieren. Kannst Du mir die Marke sagen, bitte? Habs mir nicht gemerkt, finde es beim googlen nicht und mag nicht extra zu Galeria laufen… danke.
        Grüße, Caro

  2. Rotweinspaghetti sind was feines. Ich hebe feingeschnittenen Radicchio kurz vor Ende der Garzeit unter. Dann mit ein bisschen Agaven- oder Ahornsirup abschmecken. Und bisher habe ich Gemüsebrühe verwendet, Miso passt bestimmt noch besser! An Fenchelsamen habe ich mich bisher nicht ran getraut. Sollte ich vielleicht mal…

    1. Radicchio passt auf jeden Fall gut zum ohnehin schon etwas herben Geschmack – kann man auf jeden Fall machen. Und ja, bitte unbedingt die Fenchelsamen testen!

  3. Kleiner off-topic Tipp: in das kochende Nudelwasser könnt ihr geschnibbelten Ingwer schmeißen. Die Nudel nehmen den Geschmack nicht an, rauen aber die Oberfläche an, sodass jegliche Soßen daran besser haften. 

    Besten Gruß aus Potsdam ihr Geilen 🙂

    1. Interessanter Tipp, danke dir! Bei diesem Rezept würde ich das aber tatsächlich lassen, da ist es tatsächlich besser, wenn die Nudeln die Flüssigkeit recht langsam aufnehmen.

      Liebe Grüße
      Jörg

    1. To be fair, die Wein-Spaghetti sind ja keine Neuerfindung. Wir sind aber natürlich seeehr sehr happy, wenn auch unsere veganen Anpassungen so gut ankommen. Also vielen lieben Dank und mordsmäßigen Spaß beim nachkochen. 💯