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Corona – keep calm und koch‘ was

Corona - keep calm und koch' was

Uff, was für ein Wochen­en­de, was? Klar, die Pani­kot­tos und ‑otti­li­en (wir dis­kri­mi­nie­ren nicht!) haben schon vor zwei Wochen die Rega­le leer­ge­kauft, Nadi­ne hat – als die all­ge­mein vor­sich­ti­ge Per­son, die sie eben ist – die Zügel ihres rigo­ro­sen Sau­ber­keits- und Anti-Erre­ger-Regimes hier bei uns noch straf­fer gezo­gen. Aber auch ich, als jemand, der raschen Ver­än­de­run­gen in der Gesell­schaft manch­mal ein biss­chen zu opti­mis­tisch gegen­über­steht, habe jetzt kapiert: Es ist doch so ein biss­chen ernst.

Nicht panik-ernst, kein George‑A.-Romero-Zombie-Film, aber in einem Feel­good-Movie befin­den wir uns halt gera­de auch nicht.

Denn sich locker-flo­ckig dar­auf zu ver­las­sen, dass man die­ses Vir­chen sicher­lich nicht bekommt – man gehört ja nicht zur Risi­ko­grup­pe und die Grip­pe ist ja ohne­hin schlim­mer – und ein­fach wei­ter­macht, wie bis­her ist halt so latent die fal­sche Denk­wei­se und an Igno­ranz kaum zu über­tref­fen, wenn man nur ein klei­nes Biss­chen über den eige­nen, hohen Tel­ler­rand nach bei­spiels­wei­se Ita­li­en schaut.

Trotz­dem soll­ten wir alle Ruhe bewah­ren und uns ver­ant­wor­tungs­be­wusst und soli­da­risch ver­hal­ten. Und ja, Sozi­al­kon­tak­te zu ver­mei­den ist aktu­ell soli­da­risch, auch wenn das zunächst eigen­ar­tig klin­gen mag.

Ich wie­der­ho­le hier nur Din­ge, die viel kom­pe­ten­te­re Men­schen in den letz­ten Tagen und Wochen schon weit­aus bes­ser gesagt und geschrie­ben haben, aber ein­mal mehr scheint auch nicht zu scha­den, wenn man sich auf Twit­ter den Hash­tag #Bleibt­Zu­hau­se anschaut und von vol­len Parks, Restau­rants und Bars in sämt­li­chen Groß­städ­ten liest.

Es geht näm­lich in ers­ter Linie nicht dar­um, ob wir uns als Indi­vi­du­um anste­cken und als viel­leicht kern­ge­sun­de, top­fit­te Per­son so ein „biss­chen Schnup­fi-Bup­fi“ bekom­men. Es geht dar­um, nach­zu­den­ken, ob wir als Ein­zel­ner mög­li­cher­wei­se sym­ptom­frei­er Trä­ger und damit Ver­brei­ter von COVID-19 sein könn­ten und damit Ver­wand­te, Freun­de oder Bekann­te, die eben viel­leicht doch eher, oder ein­fach mal zu 100 %, zu Risi­ko­grup­pie­run­gen zäh­len, jetzt in die­ser Anfangs­pha­se der Pan­de­mie einem ver­meid­ba­ren Risi­ko aus­set­zen. Denn das ulti­ma­ti­ve Ziel ist es momen­tan, die Aus­brei­tung zu ver­lang­sa­men, damit das Gesund­heits­sys­tem nicht noch mehr über­las­tet wird, als es das momen­tan ohne­hin schon ist.

Was wir alle jetzt tun sollten

#StayTheFuckHome

Ent­schei­dend ist, dass wir aktu­ell alle mal ein paar Tage so leben soll­ten, als hät­ten wir das Coro­na­vi­rus. Prä­ven­ti­on ist kei­ne Panik­ma­che! Wenn es sich auch nur irgend­wie ein­rich­ten lässt, blei­ben coo­le Leu­te also die nächs­ten 14 Tage nach Mög­lich­keit zu Hau­se. Dabei mei­ne weder ich, noch Viro­lo­gen, dass du dich in die eige­ne Bude ein­sper­ren sollst. Spa­zier­gän­ge oder die Jog­gin­grun­de im Wald sind okay, Men­schen­mas­sen und ‑ansamm­lun­gen hin­ge­gen abso­lut tabu.

Es geht, wie ich schon schrieb, nicht dar­um, dass du dich anste­cken könn­test, wenn du nun wie eh und je unter Leu­te gehst. Es geht dar­um, dass ins­be­son­de­re jun­ge Men­schen Trä­ger des Virus sein kön­nen, auch wenn sie kei­ne Sym­pto­me zei­gen – wie die brei­ten Unter­su­chun­gen in Süd­ko­rea gezeigt haben – und somit nicht nur die unkon­trol­lier­te Aus­brei­tung des Virus in Kauf neh­men, son­dern so auch die Men­schen in Risi­ko­grup­pen gefährden.

Kochen 2.0

Aber klar, in den eige­nen vier Wän­den brau­chen wir etwas zu tun, wenn wir die nächs­ten zwei Wochen, ver­ant­wor­tungs­be­wusst, wie wir sind, einen auf Stu­ben­ho­cker machen. An Lan­ge­wei­le kann man schließ­lich auch sterben.

Unser nahe lie­gen­der Vor­schlag: Wie wäre es mit kochen?

Denn gib es doch zu, dir geis­tert doch sowie­so schon lan­ge ein auf­wen­di­ge­res Koch­pro­jekt im Hin­ter­kopf her­um. Gera­de jetzt ist der rich­ti­ge Zeit­punkt dazu, sich dar­an­zu­ma­chen, Tem­peh selbst her­zu­stel­len. Und nir­gend­wo kannst du dich bes­ser um dei­nen frisch ange­setz­ten Sauer­teig küm­mern, als im Home­of­fice. Vor allem, nach­dem du beim letz­ten Ver­such im Büro schon schief von den Kol­le­gen ange­schaut wur­dest, als du dei­nem Glas mit der unde­fi­nier­ba­ren Mehl­pam­pe mehr Auf­merk­sam­keit geschenkt hast, als dei­ner armen Büropflanze.

Die­se Koch­ex­pe­ri­men­te müs­sen auch gar nicht in eiser­ner Iso­la­ti­on pas­sie­ren. In Zei­ten, in denen sogar mei­ne Tan­te mit über 70 lau­fend in Whats­App und Sky­pe her­um­lun­gert (sor­ry, Hei­di, du weißt, wie es gemeint ist 😘), kannst du auch zur vir­tu­el­len Din­ner­par­ty laden. Also stell’ das Smart­pho­ne auf die Arbeits­flä­che, schal­te die Video­kon­fe­renz-App dei­nes Ver­trau­ens scharf, igno­rie­re die dys­to­pi­schen Zukunfts­vi­sio­nen, Coro­na geht vor­bei, und los geht’s.

Über übrig geblie­be­nes und auch ein paar gewech­sel­te Wor­te freu­en sich dann viel­leicht auch dei­ne Nach­barn, die eben­so ver­ant­wor­tungs­be­wusst zu Hau­se blei­ben, denn zusam­men ist man halt tat­säch­lich weni­ger allein. Du kannst dich auch bei den Qua­ran­tä­ne Hel­den regis­trie­ren und lernst so viel­leicht neue Leu­te in dei­ner Hood kennen.

Viel­leicht ist es aktu­ell auch gar kei­ne ganz so blö­de Idee mehr, auch per Lie­fer­ser­vice ein­zu­kau­fen. Den­ke dabei aber auch an die Bau­ern dei­ner Regi­on, die ihre Pro­duk­te häu­fig eben­falls aus­fah­ren und mög­li­cher­wei­se in den nächs­ten Wochen Pro­ble­me bekom­men wer­den, alles auf dem Wochen­markt los­zu­wer­den. Wenn du dich ohne­hin schon mit dem Gedan­ken her­um­ge­schla­gen hast, eine Gemü­se­kis­te im Abo zu bestel­len – jetzt wäre viel­leicht die bes­te Gele­gen­heit dazu.

HILF deinen Lieblingsläden

Wie ich hier schon auf Face­book geschrie­ben habe: Die Gas­tro­no­mie­sze­ne lei­det bereits stark an den zurück­ge­hen­den Gäs­te­zah­len. Und damit lei­den auch Zulie­fe­rer, aber auch Künst­ler, die Events in die­sen Loca­ti­ons absa­gen müs­sen. Damit wir nach die­sem gan­zen Cha­os auch wei­ter­hin in coo­le Läden gehen kön­nen und dort gut unter­hal­ten wer­den, unter­stüt­zen wir jetzt unse­re Lieb­lings­ca­fés, ‑restau­rants und ‑läden ander­wei­tig. Ruf’ an, schrei­be E‑Mails, Mes­sen­ger-Nach­rich­ten, SMS und fra­ge nach, wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt.

Eine gute Idee wäre es bei­spiels­wei­se, jetzt Gut­schei­ne zu kau­fen, die wir dann alle zusam­men nach Coro­na auf den Kopf hau­en. Viel­leicht lernt die Mensch­heit ja auch etwas aus der Pan­de­mie und wir haben was zu fei­ern! Wäre doch nice.

Abge­se­hen davon, kannst du Gerich­te im Lieb­lings­re­stau­rant als Take-away abho­len oder per Lie­fer­ser­vice bestel­len. Viel­leicht nimmst du eine Fla­sche Wein zusätz­lich und lässt für den Fah­rer auch den ein oder ande­ren Euro mehr als Trink­geld sprin­gen – auch die­se Leu­te, so wie auch all die Post- und Paket­bo­ten zäh­len gera­de zu den sys­tem­re­le­van­ten, aber häu­fig über­se­he­nen Berufsgruppen.

Zu guter letzt: Verlier’ bitte nicht den Humor

Sich jetzt berufs­be­trof­fen über die sati­ri­sche The­ma­ti­sie­rung des Kli­ma­wan­dels in Coro­na­zei­ten zu echauf­fie­ren ist halt so was von uncool. Sei nicht so, egal, wie schwarz (oder eben nicht) dein Humor auch sein mag.

Lass’ uns lie­ber über noch so blö­de Wit­ze lachen, zusam­men­ar­bei­ten, hel­fen, wo es geht und dabei die gan­ze Situa­ti­on so locker, wie mög­lich sehen, auch wenn ich weiß, dass ich selbst­ver­ständ­lich nicht für jeden Ein­zel­nen spre­chen kann. Und lass uns bit­te nach der Coro­na-Pha­se nicht ver­ges­sen, wer jetzt gera­de uner­müd­lich für uns arbei­tet. Es sind die Hel­fe­rIn­nen, Pfle­ge­rIn­nen, Bertreue­rIn­nen, Ver­sor­ge­rIn­nen, denen wir jetzt den Rücken frei­hal­ten und uns dafür ein­set­zen müs­sen, dass sie auch nach Coro­na noch Bock auf ihre Arbeit haben!

Wir jeden­falls ver­su­chen, unse­ren Lesern in den nächs­ten Wochen see­len­schmei­cheln­de, ein­fa­che, aber auch mal auf­wen­di­ge­re Gerich­te auf dem Blog zu prä­sen­tie­ren und hof­fen, dass wir irgend­wie an die Zuta­ten kom­men, die wir dafür brauchen. 🙈

In die­sem Sin­ne: Bleib‘ gesund, wasch dir die Hän­de und wenn wir Coro­na gemein­sam durch­ge­zockt haben, fei­ern wir was!

Vegan seit zwanzig-null-sechs. Liebt es, zu kochen, guten Kaffee, Chilis in allen Formen und Farben, Kameras und Objektive – hofft dabei, dass er das ganze Zeug auch zumindest einigermaßen angemessen bedienen kann –, hat nie genügend Messer, sitzt gerne auf dem Mountainbike und hört dabei Metal.

3 Kommentare

  1. pri­ma 🙂 freu mich schon auf eure qua­ran­tä­ne-inspi­ra­ti­on… bes­ser als die hier wird es allemal:
    https://​www​.der​-pos​til​lon​.com/​2​0​2​0​/​0​3​/​c​o​r​o​n​a​-​q​u​a​r​a​n​t​a​e​n​e​.​h​tml

    also echt, die leu­te kön­nen doch froh sein, dass sich alles mal etwas ent­schleu­nigt, sie viel­leicht mal außer­plan­mä­ßig urlaub und zeit mit den kin­dern haben. die guten alten brett­spie­le raus­kra­men oder mal lie­gen­ge­blie­be­nes machen wie den ullen riß im som­mer­rock fli­cken. man kommt ja sonst immer nicht dazu. alle mau­len immer über zu viel stress und zuwe­nig zeit – und nu? *kopf­schüt­tel* noch ist doch alles im grü­nen bereich in deutschland…

    son­ni­ge grüße
    caro (die jetzt ein paar schö­ne veg­gie­bur­ger zusammenbappt)

    Antworten
    1. Hey Caro!

      Tau­send Dank für dei­nen Kommentar!

      Und den Link geben wir wei­ter, wenn wir beim nächs­ten Mal um ein Rezept mit Nudeln und Klo­pa­pier gebe­ten wer­den (ja, die Fra­gen kom­men tatsächlich!). 🤣

      Lie­be Grüße
      Jörg

      Antworten
  2. Vie­len lie­ben Dank für die­sen schö­nen Bei­trag! Obwohl bei mir als „sys­tem­re­le­van­te Schlüs­sel­per­son“ Busi­ness as Usu­al ange­sagt ist, habe ich den­noch heu­te schon mal über­legt, ob jetzt nicht mal end­lich die Zeit des Sauer­teig­ex­pe­ri­ments gekom­men ist (zumal es am Wochen­en­de schon kei­ne Hefe mehr im Bio­la­den gab…). Frisch aus­ge­sä­te Micro­greens ste­hen jeden­falls schon auf der Fensterbank!
    Ich freue mich auf eure Rezep­te, bleibt gesund!

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